eHealth ist eines der Trendthemen in der deutschen Gründerszene. Das zeigt sich auch an den Finanzierungsfragen in diesem Bereich. Diese sind in den vergangen Jahren um mehr als 150 % gestiegen. Dabei sind die Segmente Gesundheit und Lifestyle am beliebtesten, obwohl die die strikten Regulationen in diesem Bereich besondere Herausforderungen mit sich bringen. Wir stellen Ihnen die 10 vielversprechendsten eHealth-Startups vor, die diese Hindernisse überwinden und sich gerade am Markt etablieren:

1. Cardiolyze | Gegen die weltweite Todesursache Nummer 1

Cardiolyze, ein Digital Health Spin-off der TU Dresden, erforscht und entwickelt eine mobile Lösung zur Risikofrüherkennung von Herzinfarkten und generellen Herzerkrankungen wie  auch Herzklappenfehler. Kardiovaskuläre Erkrankungen sind die weltweite Todesursache Nummer 1.

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Diesem Problem will Cardiolyze entgegenwirken; und zwar durch hochentwickelte optische Verfahren und komplexe Algorithmen. Auf Basis der mit der Kamera des Smartphones aufgezeichneten Pulskurve des Nutzers sollen verschiedene kardiovaskuläre Parameter bestimmt und Muster erkannt werden.

So erhält der User Auskunft über das biologische Alter seines Herz-Kreislauf-Systems und Unregelmäßigkeiten können erfasst werden. Ziel der erst Anfang 2016 gelaunchten App ist es, innerhalb eines Jahres 150k Downloads zu generieren.

2. Onelife Baby | Die App für die Schwangerschaft

Werdende Eltern wollen nur eins: sich unbeschwert auf ihr Baby freuen. Dabei hilft seit Anfang 2015 die App Onelife Baby. Diese App begleitet Eltern und ihr ungeborenes Kind durch die gesamte Schwangerschaft. Die App merkt sich alle von der werdenden Mutter hinterlegten Informationen zum gesundheitlichen Befinden – vom Gemütszustand bis hin zu körperlichen Beschwerden.

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Die Eingaben durchlaufen parallel und in Echtzeit medizinisch-wissenschaftlich fundierte Algorithmen. Aufgrund der Eingaben werden der Schwangeren sofort konkrete Handlungsempfehlungen angeboten.

Die „Onelife Baby“-App ist erst der Anfang einer Reihe von digitalen Medizinlösungen für die ganze Familie, die die OneLife Health GmbH anbieten will: Untersuchungsheft für Kinder, Befunde, Blutwerte, Impfungen und Allergien könnten zukünftig für jedes einzelne Familienmitglied sicher abgelegt werden. Das Produkt ist deshalb so interessant, weil die OneLife Health GmbH mit verschiedenen Partnern wie der WHO/UNICEF-Initiative „Babyfreundlich“ zusammenarbeitet.

3. MySugr | Diabetes in den Griff bekommen

Mit den MySugr Apps lassen sich Diabetes-Erkrankungen besser behandeln und im Alltag überwachen. Dabei ist die App aufgebaut wie ein modernes Diabetes-Tagebuch – bunt und mit frechen Sprüchen.

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Praktischerweise lässt sich die App mit dem eigenen Blutzucker-Messgerät synchronisieren. So ist es möglich, dass die Daten automatisch übertragen werden, ständiges, mühsames Eintippen entfällt. Für jeden Eintrag erhält der User Punkte. Wird er nachlässig, erinnert ihn die App. Mittlerweile gibt es die App auch für Kinder:

So können Kinder in zehn Schritten den Umgang mit der Krankheit lernen, unterstützt wird das durch Lernvideos. Derzeit hat mySugar rund 600.000 Nutzer.

4. MyTherapy | Mit mehr Therapietreue den Therapieerfolg steigern

Eines der großen Probleme bei der Behandlung von Patienten ist, dass die jeweiligen Tabletten nicht pünktlich eingenommen werden oder vergessen wird, den Blutdruck zu messen. Das ist für den Therapieerfolg aber unabdinglich. Die App MyTherapy soll die Therapietreue im Alltag von Patienten steigern.

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Mit ihr sollen zum einen die Vitalwerte dokumentiert, aber auch Aktivitäten und Ruhephasen geplant werden. Die eingegebenen Termine werden in eine Aufgabenliste umgewandelt, die es täglich zu leeren gilt – dabei soll das Erledigen der Aufgaben als Motivator dienen und das Gefühl vermitteln, die Therapie „im Griff zu haben“.

Zusätzlich erstellt die App Berichte und Diagramme zum Einnahmeverlauf. Die App verhilft zu einem gesteigerten Gesundheitsbewusstsein und einer besseren Therapietreue. Und davon profitieren neben den Patienten auch Krankenkassen und Pharma-Unternehmen.

5. Tinnitracks | Den Tinnitus einfach weghören

Die Hamburger App ‚Tinnitracks‘ hilft bei der Behandlung von Tinnitus-Erkrankungen, indem die Intensität des Tinnitus gemildert wird.

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Auslöser einer Tinnitus-Erkrankung sind bestimmte Nervenzellen, die übermäßig aktiv sind. Tinnitracks filtert die individuelle Tinnitus-Frequenz aus der  Lieblingsmusik der Patienten heraus. So werden die überaktiven Tinnitus-Nervenzellen beruhigt und Intensität des Tinnitus gemildert.

Folglich kann trotz Tinnitus Musik genossen werden. Mittlerweile übernehmen sogar einige Krankenkassen die Kosten für die Behandlung.

6. Connected Health | Die App, die Ärzte und Patienten verbindet

Die Notwendigkeit dieser App erklären die Gründer folgendermaßen: „Trotz massiver Fortschritte in der IT- und Kommunikationstechnologie befindet sich der Datenaustausch zwischen Ärzten und Patienten noch immer auf dem technischen Niveau des 20. Jahrhunderts“. Durch die App Connected Health sollen Consumer- Technologie und professionelle Medizintechnik zusammengebracht werden.

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Durch die Anwendung können medizinische Dokumente und smarte Gesundheitsdaten lokal zwischen Patienten-Smartphone und Arzt ausgetauscht werden.  Der Patient trägt jederzeit alle wichtigen Dokumente bei sich. Das Besondere an ‚Connected Health‘: Die Datenübertragung erfolgt ohne Internet.

Die Verbindung wird über einer kleine Hardware hergestellt, ,LifeHub‘ genannt, die bei jedem Arzt systemunabhängig via Plug-and-Play funktioniert. Für den Datenaustausch muss der Patient sein Smartphone lediglich in die Nähe des LifeHubs halten. Connected Health war unter den Top 50 Finalisten des CeBIT CODE_n.

7. Patientus | Die Onlinesprechstunde beim Facharzt

Mit dem Ziel, eine speziell für den medizinischen Bereich zugeschnittene Kommunikationslösung zu erstellen, begann vor vier Jahren die Entwicklung von ‚Patientus‘. Diese telemedizinische Produktreihe ist deshalb so spannend, weil sie auch mit dem hochregulierten deutschen Gesundheitsmarkt konform ist.

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Die Online-Video-Sprechstunden für Ärzte und Patienten sind durch ‚Patientus‘ nun auch in Deutschland möglich. Sie beruhen auf einer sicheren Verbindung und sind ohne Zusatzsoftware von allen Endgeräten aus nutzbar: Arzt und Patient vereinbaren einen Termin und kommunizieren anschließend über ein separat geöffnetes Browserfenster per Video-Chat.

Geeignet ist die Technologie für Informationsgespräche, Bestandspatienten-Sprechstunden zur Nachkontrolle, sowie Zweitmeinungs-Sprechstunden.

8. Jourvie | Essstörungen in den Griff bekommen

Jouvie ist ein Beispiel dafür, wie durch eHealth-Anwendungen die Behandlung verschiedenster Erkrankungen strukturiert unterstützt werden kann. Die App hilft Personen, die an einer Essstörung leiden, mit Essprotokollen und Tipps für schwierige Situationen.

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Ziel: Ein Leben ohne Magersucht, Bulimie oder Esssucht. Die Essprotokolle können diskret ausgefüllt werden, ohne dass es jemand mitbekommt: In weniger als 1 Minute können alle wichtigen Informationen eingegeben und in einem Archiv gespeichert werden.

So können diese sowohl vom Patienten eingesehen und aktualisiert werden, zudem kann die Datei exportiert und vom Therapeuten eingesehen werden.

9. kumi for health  | Für bessere Kommunikation in Krankenhäusern

Auch die Logistik und Vernetzung von Krankenhäusern kann nun über web-basierte Software-as-a-Service organisiert werden. Der Fokus der Entwickler ist es, eine besser organisierte und gut abgestimmte Gesundheitsversorgung zu ermöglichen.

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kumi Flow ermöglicht dabei die Vernetzung von patientenspezifischen Daten, wie zum Beispiel Krankheiten mit dazugehörigen klinischen Behandlungsmustern und -verfahren, wodurch eine verbesserte Patientenbehandlung ermöglicht wird. Innerhalb der kumi Flow Logistiklösung tragen netzwerkbasierte Informationen zur Optimierung der Arbeitsabläufe des Betreuungs- und Pflegepersonals bei.

kumi for health war unter den 50 Nominees des CODE_N Gründerpreises 2015.

10. BetterDoc | Findet den richtigen Facharzt

Welcher Facharzt passt zu mir? Bei der Beantwortung dieser Frage hilft das Kölner Online-Portal BetterDoc. Nutzer sollen dabei unterstützt werden, im Web den richtigen Arzt zu finden, der zu der entsprechenden Erkrankung passt. Der ersten kostenlosen Ersteinschätzung folgt die kostenpflichtige Spezialistensuche. Die Suche erfolgt in drei Schritten:

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  1. Zunächst beschreibt der Nutzer online sein Gesundheitsproblem anhand von Beschwerden oder einer bereits gestellten Diagnose.
  2. BetterDoc prüft die Anfrage anhand von fünf Qualitätskriterien: Reputation unter Ärzten, Bewiesener Behandlungserfolg, Erfahrung/Fallzahlen, Qualifikation/Zertifizierung und Ausbildung
  3. und spätestens zwei Tage später erhält der Nutzer dann eine Beratung durch den von BetterDoc empfohlenen Arzt.

Eine Übersicht aller relevanten Start-Ups in Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es hier:

Digital Health Startups
Amira Sabeur
Amira Sabeur

ist Redakteurin bei coliquio Insights und berichtet über aktuelle Marketing-Themen und ihre Relevanz für den Gesundheitsmarkt.

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Luise Recktenwald

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