Beschäftigt ≠ Produktiv | In 6 Schritten zu mehr Produktivität
Ø 3 von 5 Sternen

Jeder Tag hat 24 Stunden, und jeder Mensch hat gleich viel Zeit, dennoch sind einige von uns weitaus produktiver. Woran liegt es, dass manche in der gleichen Zeit mehr erreichen als andere?

Charles Duhigg, Autor für die New York Times und Pulitzer-Preis Gewinner, befasst sich in seinem neuen Buch Smarter Faster Better mit genau diesen Fragen und zeigt Strategien, wie auch Sie mehr Produktivität in Ihren Alltag bringen können.

„Beschäftigt sein“ bedeutet nicht gleich produktiv sein

Das Verständnis produktiven Arbeitens hat sich über die Jahrzehnte und besonders durch neue Arbeitsweisen immer wieder verändert.

Früher, vor der industriellen Revolution, war die Zeit maßgeblich ausschlaggebend dafür, wie produktiv der einzelne war. Da Produktivität meist körperlicher Arbeit entsprach, bedeutete aktive Arbeit gleich Produktivität. Produktiver war also der, der mehr Stunden arbeitete. Mehr Angestellte zu haben, bedeutete mehr geleistete Stunden und damit eine höhere Produktivität. Mit der industriellen Revolution änderte sich das. Die Zeit war nun nicht mehr der einzige ausschlaggebende Faktor, sondern wurde durch moderne Technologien ergänzt, wenn nicht sogar davon ersetzt. Entwickelt jemand eine Maschine, die eine Aufgabe schneller als fünf Arbeiter erledigt, dann ist diese Maschine deutlich produktiver als der Arbeiter. Folglich sind nicht mehr allein die Anzahl der Arbeitsstunden ausschlaggebend, sondern auch die Anzahl und Qualität der genutzten Maschinen.

Mit der digitalen Revolution hat sich nochmal alles geändert: Früher, wenn  jemand acht Stunden am Tag beschäftigt war, war er wahrscheinlich auch fast acht Stunden produktiv. Heute jedoch, können wir uns 14 Stunden beschäftigen, aber vielleicht nur eine Stunde produktiv sein. Das kommt daher, dass der digitale Fortschritt viel Ablenkungen mit sich gebracht hat. Sie verwirren unsere Wahrnehmung, wann wir „nur“ beschäftigt und wann wir wirklich produktiv sind.

Sie kennen das vielleicht aus dem eigenen Alltag: wie oft ertappen Sie sich beim bloßen Zeitvertreib ohne effektiv etwas zu erledigen?

Wann sind Sie „produktiv“?

Um herauszufinden, wie wir produktiver werden können, müssen wir erst einmal definieren, was es für uns bedeutet produktiv zu sein und wie sich das in den verschiedenen Lebensbereichen auswirkt.

Denn Produktivität ist, laut Duhigg, nicht objektiv, sondern eine subjektive Wahrnehmung, welche sich von Person zu Person, von Tag zu Tag, und auch objektbezogen unterscheidet und verändert. So ist beispielsweise unser Verständnis eines produktiven Samstags etwas komplett anderes, als das eines produktiven Dienstags.

Einfach gesagt, bedeutet Produktivität für Duhigg, die eigenen Ziele zu kennen und diesen näher zu kommen, ohne das Gefühl zu haben, Zeit und Energie zu verschwenden. Zuerst müssen Sie sich also im Klaren sein, welches Ergebnis, welche Aufgabe oder welches Produkt Sie erreichen wollen, um sich dann zielgerichtet an die Arbeit machen zu können. Einfach gesagt, muss der Fokus auf das gelegt werden, was Sie als das Wesentliche empfinden:

  • At the core of productivity is the feeling that you are doing the work that matters to you most at the moment you most want to do it, without having to make huge sacrifices along the way.

    Charles Duhigg Autor: Better Faster Smarter

Wie können Sie produktiver werden?

Wenn dieses neue Bewusstsein verinnerlicht ist, stellt sich die Frage, was noch geändert werden muss, um die eigene Produktivität zu steigern.

Für Duhigg ist dabei klar: Mehr Schweiß führt nicht automatisch zu mehr Produktivität. Stattdessen bedeutet produktiver zu werden, bevorstehende Entscheidungen, nicht wie gewohnt, sondern auf eine neue Art und Weise zu treffen. Dies gelingt nur, wenn die Alternativen, die zu einer Entscheidung führen, neu abgewogen und kombiniert werden. Das Geheimnis einer produktiven Arbeitsweise liegt darin, dass jemand Alternativen erkennt, die andere oftmals übersehen. Produktive Menschen und Unternehmen zwingen sich selbst, eine Entscheidung zu treffen, die andere genügsam ignorieren würden. Derjenige der sich zwingt neu und anders zu denken, generiert Produktivität. Letztendlich bedeutet dieses Umdenken innovativ zu sein. Nur wer sich wagt von der gewohnten Route abzuschweifen und Alternativen auszuprobieren, wird eine neue Stufe der Produktivität erreichen.

  • A huge part of it is exposing yourself to the knowledge of alternative ways of thinking that are possible.

    Charles Duhigg Autor: Better Faster Smarter

Duhigg warnt dennoch vor einer Fehlannahme: Produktiv zu sein, bedeutet nicht, dass jede Aktion funktioniert und effektiv ist. Manchmal ermöglicht uns erst eine Fehlentscheidung, ein Rückschlag oder Misserfolg den Zugang zu neuen Alternativen und wir können Dinge mit anderen Augen betrachten.

6 Schritte zu mehr Produktivität

Um dies im Alltag umzusetzen bedarf es mehr als nur eines geschärften Bewusstseins für die eigene Produktivität. Eine Strategie kann helfen, dies leichter im Alltag anzuwenden.

Hierfür haben wir 6 Action Steps zusammengestellt:

Sehen Sie eine Aufgabe als Chance und nicht als „lästige Pflicht“. Das gibt Ihnen ein Gefühl der Kontrolle und macht es viel leichter, sich dafür zu motivieren.

Ergründen Sie, auf welche Art und Weise eine einzelne Aufgabe mit etwas zu tun hat, das Ihnen sehr wichtig ist. Entschlüsseln Sie, ob und wie dieser Schritt hilft, Sie näher an die große Vision zu bringen. Sobald für Sie das „Warum“ eines Projekts oder einer Aufgabe klar ist, ist es viel einfacher dranzubleiben.

Stellen Sie sich vor: Wie sieht die Zukunft aus, wenn Sie dranbleiben? Malen Sie sich aus, wie diese aussehen kann und was das für Sie bedeutet. Haben Sie einen konkreten Plan für die Zukunft vor Augen? Das erleichtert zu entscheiden, worauf der Fokus gelegt werden sollte, wenn er dann in die Realität umgesetzt wird.

Innerhalb der großen Vision, müssen Sie mittelgroße Stretch Goals (Etappenziele) haben. Diese helfen Ihnen den Fokus auf die Vision nicht zu verlieren und generieren, wenn erreicht, Erfolgsgefühle.

Um mein Etappenziel zu erreichen, hilft die SMART Methode. Definieren Sie Ziele, die spezifisch (Specific), messbar (Measurable) erreichbar (Achievable), realistisch (Realistic) und zeitlich gebunden sind (Timebound).

Stellen Sie sich multiple Varianten vor, wie die Zukunft aussehen könnte, abhängig von den Entscheidungen, die Sie unterwegs treffen werden. Dann zwingen Sie sich, herauszufiltern, welche am wahrscheinlichsten sind – und weshalb. Indem Sie verschiedene Szenarien durchspielen, werde die verschiedenen Optionen besser vorstellbar und Präferenzen deutlich.

Es liegt in unserer Natur, wissen zu wollen, wie sich Dinge entwickeln werden. Paradoxerweise ist es deshalb entscheidend zu lernen, mit Zweifel zu leben, um Entscheidungen besser treffen zu können. Wer es schafft, entspannter in die ungewisse Zukunft zu gehen, kann Entscheidungen mit gewisserer Ungewissheit treffen.

Innovation entsteht aus Kreativität – und diese wird gefördert, wenn alte Ideen auf neue Art bedacht und kombiniert werden.

Es ist wichtig, das eigene emotionelle Verhalten zu beobachten. Unbehagen kann positiv sein, da es oftmals zu neuen Sichtweisen alter Ideen führt, was wiederum Kreativität fördert.

Bleiben Sie immerzu kritisch. Auch augenscheinliche offensichtliche Ergebnisse sollten nochmals kritisch betrachtet und hinterfragt werden.

Wann immer wir neue Information erhalten, sollten wir uns dazu zwingen, etwas damit zu tun, d. h. sie zu nutzen.

Am Besten ist es, jede neue Information sowie die gewonnene Erkenntnis aufzuschreiben und wenn möglich auszuwerten.

Jede Entscheidung, die wir treffen, ist ein Experiment. Der Trick dabei ist es, die darin eingebetteten Informationen zu erkennen, um sie dann zu nutzen, sodass wir etwas daraus lernen können.

Schreiben Sie uns, welche Strategie oder Maßnahme Ihnen zu mehr Produktivität verhilft. Wir freuen uns auf Ihre Ideen.

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Luise Recktenwald

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