Rund 1 Milliarde Menschen leiden monatlich an Migräne-bedingten Kopfschmerzen mit vielen weiteren Symptomen. Das Start-up Newsenselab hat eine App – M-sense – entwickelt, die Migränepatienten bei der Diagnosefindung und mit Therapieangeboten unterstützt. In dieser Serie stellen wir Ihnen Start-ups vor, deren Ideen den Zugang zu einem breiteren Publikum verdienen:

Die Herausforderung

Migräne betrifft 12-15 % der Weltbevölkerung, also rund 1 Milliarde Menschen, die im Monat an Migräne-bedingten Kopfschmerzen, Übelkeit, Aura, und vielen weiteren Symptomen leiden. So ist neben dem häufigen Vorkommen, vor allem die starke krankheitsbedingte Beeinträchtigung im täglichen Leben Ursache dafür, dass die World Health Organisation die Migräne im Jahr 2018 zum häufigsten Grund für eine Behinderung bei unter 50-Jährigen erklärte.

Auch die schnelle und richtige Behandlung der Erkrankung ist leider nicht selbstverständlich und alles andere als einfach. Weniger als die Hälfte der Betroffenen konsultieren einen Arzt. Dazu sinkt die Zahl der adhärenten Patienten vom Zeitpunkt der Diagnose bis hin zur erfolgreichen Therapie weiter stark.

Um das zu ändern, wird sich die Medizin der Zukunft noch mehr an den Bedürfnissen der Betroffenen orientieren. Versorgungswege werden effektiver und vernetzter werden. Heute schon gibt es viel zu wenig Ärzte, um allen Erkrankten zu helfen, es mangelt besonders an Spezialisten. Deswegen setzt M-sense an, wo das analoge Gesundheitssystem schwächelt. Newsenselab bietet eine App, die Migränepatienten mobil begleitet, die Diagnosefindung unterstützt, und mit einer Triggeranalyse und verschiedenenen Therapieangeboten die für Migräniker bestehende Lücke im Versorgungsnetz effektiv füllt.

Newsenselab Lgo

Steckbrief Newsenselab GmbH

Gründung:2016
Gründer:Stefan Greiner, Dr. Markus Dahlem, Martin Lysk geb. Späth, Simon Scholler
Standort:Berlin
Mitarbeiter:20-25
Investoren:HTGF, Think.Health
Website:www.m-sense.de

Der Lösungsansatz

Als digitales Therapeutikum unterstützt M-sense dabei Kopfschmerzen zu lindern und unterstützt zusätzlich Patienten und Ärzte bei der Kommunikation über Trigger, Adhärenz und Medikation.

Zu diesem Zweck gibt M-sense Migräne- und Kopfschmerzpatienten das Wissen weltweit führender Kopfschmerzspezialisten sowie die wirkungsvollsten Therapieansätze an die Hand und begleitet sie so auf ihrer gesamten „Patient Journey”. Das spart nicht nur Zeit und Kosten bei der Behandlung, sondern unterstützt Ärzte dabei, die beste Therapie für Betroffene dieser individuellen Erkrankung zu finden.

Durch die effizientere Gestaltung der Versorgung von Betroffenen können auf Seiten des Gesundheitssystems erhebliche Behandlungskosten durch ineffiziente Therapien eingespart werden. Zudem wird durch eine effektive Prophylaxe mit nicht-medikamentösen Therapien in der App, wie z. B. Entspannungsübungen, Edukation und Ausdauertraining, das Risiko einer Chronifizierung sowie die Gefahr eines Medikamenten-Übergebrauch-Kopfschmerzes (MÜK) gesenkt. Um Patienten und Ärzte im Alltag optimal zu unterstützen, weist M-sense seine medizinische Wirksamkeit in einer klinischen Studie nach. Deswegen kooperiert das Start-up mit Schmerzkliniken wie z. B. dem Kopfschmerzzentrum der Charité Berlin, mit denen es gemeinsam mit einem Konsortium aus Leistungserbringern und Krankenkassen (Universitätsklinikum Halle / Saale, Universitätsmedizin Rostock, AOK Nordost, BKK VBU, IKK gesund plus, BIG direkt gesund) momentan die klinische Studie SMARTGEM durchführt.

Dr. Florian Koerber

„Wie wäre es, in einer Welt ohne Kopfschmerzen zu leben? Das Ziel unserer Migräne- und Kopfschmerz-App M-sense ist es, die Versorgung von Migräne- und Kopfschmerzpatienten zu optimieren.

Durch die Gestaltung effizienterer Versorgungswege und die Vernetzung aller wichtigen Player in einem immer komplexeren Gesundheitssystem wollen wir die Medizin der Zukunft entscheidend prägen. Deswegen setzen wir auf digitale Therapien, um neue Standards für die Behandlung chronischer Krankheiten zu setzen.“

 

Dr. Florian Koerber

CEO

Warum Sie dieses Start-up kennen sollten

Die Idee zur Migräne- und Kopfschmerz-App M-sense entstand lange vor Einführung des ersten iPhones. Der Migräneforscher Dr. rer. nat. Markus Dahlem hat seine Diplomarbeit zum Thema Migräneaura geschrieben und forscht seit über 20 Jahren intensiv zu den neurowissenschaftlichen und physikalischen Hintergründen von Migräne. Nach einem ersten Businessplan 2004 zur Entwicklung und Herstellung mobiler telemedizinischer Diagnoseverfahren entstand 2014 die Idee zu M-sense. Das Team war schnell komplett und im November 2015 stand der erste Prototyp.

M-sense ist mittlerweile zu einer echten Unterstützung für Migräne- und Kopfschmerzpatienten herangewachsen. Im Januar 2016 wurde die Newsenselab GmbH  gegründet, mit dem Ziel, die Behandlung von chronischen Erkrankungen zu revolutionieren. Neben Dr. Markus Dahlem, dem Datenwissenschaftler und Softwareentwickler Simon Scholler und dem Systemarchitekten Martin Lysk wird Newsenselab seit Oktober 2018 von dem erfahrenen Gesundheitsökonom Dr. Florian Koerber in der Rolle des CEO unterstützt.

Tatsächlich konnten in den letzten Monaten viele größere Erfolge gefeiert werden. Bisher haben über 220.000 Betroffene M-sense heruntergeladen und seit kurzem wird M-sense auch von einer privaten Krankenversicherung erstattet. Das Start-up kooperiert erfolgreich mit Krankenkassen, Arbeitgebern und weiteren Stakeholdern im Gesundheitssystem. Besonders das Pilotprojekt zum Betriebswirtschaftlichen Gesundheitsmanagement mit der BARMER, der Deutschen Telekom und der Deutschen Post war ein großer Erfolg.

Besonders stolz sind die Gründer auf den Start ihrer ersten klinischen Studie vor einem Jahr, die vom Innovationsfonds gefördert wird. Mit SMARTGEM, der Studie zu Smartphone-gestützter Migränetherapie, die mit der Charité Berlin und einem Konsortium aus Leistungserbringern und Krankenkassen (Charité Berlin, Universitätsklinikum Halle / Saale, Universitätsmedizin Rostock, AOK Nordost, BKK VBU, IKK gesund plus, BIG direkt gesund) durchgeführt wird, möchten die Gründer die Wirksamkeit von M-sense nachweisen. Die erste eigene Auswertung war bereits sehr vielversprechend und hat gezeigt, dass Betroffene ihre Kopfschmerzen durch die Nutzung der M-sense App im Durchschnitt um rund 38 % in 30 Wochen reduzieren können.

Aufgrund dieser Basis freut sich das Start-up darauf, im Jahr 2020 in das BfArM-Verzeichnis Digitaler Gesundheitsanwendungen aufgenommen zu werden und zukünftig im Rahmen des neuen “Digitale Versorgung”-Gesetzes von Krankenkassen erstattet zu werden. Die Gründer glauben, dass alle Betroffenen ein Recht auf eine effektive digitale Therapiebegleitung haben und hoffen durch diese flächendeckende Erstattung einen Beitrag zur Gestaltung der Medizin von morgen zu leisten.

Start-up

Start-ups in der Healthcare-Branche

Welchen Herausforderungen stellen sich Start-ups in der Healtcare-Branche? Welchen Lösungsansatz verfolgen sie und warum sollten Sie diese Start-ups kennen? Hier finden Sie weitere Beiträge aus dieser Serie:

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Jutta de Monte
Jutta de Monte
ist Redakteurin bei coliquio Insights und berichtet über aktuelle Arztdiskussionen auf coliquio sowie über Healthcare Start-ups.