Wie relevant ist der pharmazeutische Außendienst noch? Welche Rolle spielen Podcasts oder ePaper? Wonach entscheiden Ärztinnen und Ärzte, wann sich ein Zeitinvest in Fortbildung lohnt? Dies und mehr haben wir Dr. Nicola Fritz und Prof. Dr. Bernd Hohenstein persönlich für Sie gefragt.

Sie haben Fragen gestellt, die Ärzteschaft antwortet

Anlässlich unseres Live-Talks “Print tot. Digital überflutet. KI unsicher. Und jetzt?” erreichten uns sehr viele Fragen. Diese haben wir für Sie gesammelt und im Nachgang Dr. Nicola Fritz, niedergelassene Fachärztin für Allgemeinmedizin, und Prof. Dr. Bernd Hohenstein, Facharzt für Innere Medizin mit Schwerpunkt Nephrologie in einem großen Versorgungszentrum, zukommen lassen. Heute können wir Ihnen neben einer Zusammenfassung des Live-Talks auch diese zusätzlichen Antworten gebündelt präsentieren.

Beide bringen sehr unterschiedliche Perspektiven mit und genau dieser Perspektivwechsel macht die Antworten besonders spannend – denn viele Themen rund um Informationsangebote, Fortbildung oder den Kontakt mit Pharmaunternehmen werden im Praxisalltag anders bewertet als in der spezialisierten klinischen Versorgung. Sehen Sie selbst!

Außendienst

Welchen Mehrwert kann Ihnen der pharmazeutische Außendienst bringen? Sehen Sie klassische Besuche auch noch in der Zukunft als relevant an und wenn ja, in welchem Rhythmus bzw. aus welchem Anlass?

Dr. Nicola Fritz:

Klassischer Außendienst mit regelmässigen Besuchen ist für mich ein ziemlicher „Zeitfresser“, um es sehr deutlich zu beantorten. Aber: Innovationen, insbesondere besondere Therapiepplikationen, wie z. B. Spritzen oder Infusionen, die von uns auch verschrieben werden, sind immer interessant. Gerne haben wir hier Muster (auch Devices, wie z. B. Inhalatoren, Pens etc.), um das Personal und die Patienten zu schulen. Hier wäre der Außendienst sehr, sehr wichtig – kommt aber zu selten.

Prof. Dr. Bernd Hohenstein:

Für die Zukunft halte ich neue Ansätze zur Informationsverbreitung für besser geeignet. Persönliche Gespräche kosten im heutigen Berufsalltag relativ viel Zeit, wenn ich dies bei einem Zentrum unserer Größe multipliziere, müsste ich für die persönlichen Interaktionen einer einzigen Firma ca. 5-10 Stunden Zeitinvest einplanen. Hier braucht es aus meiner Sicht (bereits gelebte) Kanalisierung.

Podcasts

Sind Podcasts wertvolle Fortbildungsinstrumente? Falls ja, was muss ein guter Podcast bringen?

Dr. Nicola Fritz:

Ja – Podcasts sollten aber kürzer als Onlineformate sein (max. 30 Minuten), sehr fokussiert auf einen Anwendungsbereich/-problem. Ein intersektoraler Austausch (Hausarzt/Facharzt/Klinik) wäre gut.

Prof. Dr. Bernd Hohenstein:

Podcasts werden sicher gerne wahrgenommen (sagt jemand, der selbst einen Podcast betreibt). Ich glaube aber, dass Podcasts neutral sein sollten. Wie die Nutzer selektieren, ist mir aber nicht bekannt.

Best Practice Formate

Haben Sie konkreten Input, wo Sie sich bei Info-Formaten mehr Benutzerfreundlichkeit (Lesbarkeit, Aufbereitung, etc.) wünschen würden?

Dr. Nicola Fritz:

Pharmaseitig: kleinere Bausteine bzgl. der Therapie (z.B. Indikation, Dosierung, Nebenwirkungen, Interaktionen) getrennt zum Klicken und Suchen anbieten. Infoplattformen: Mehr Übersicht über neu zugelassenen Medikamente und Therapiealternativen – aber auch auf der anderen Seite einen Zugang über Erkrankungen, für die neue Therapien und Versorgungswege zur Verfügung stehen, kombiniert mit einem tieferen Einstieg bei Bedarf.

Prof. Dr. Bernd Hohenstein:

Ich glaube, dass der Visualisierung von Inhalten (Videos, Bildmaterial) mit gut erfassbaren Informationen die Zukunft gehört. Von dort aus müssen die Hintergrundinformationen dann verlinkt werden.

Print vs. ePaper

Sie sagten im Live Talk, Print würde bei Ihnen immer stärker abnehmen. Welche Rolle spielen ePaper von Fachzeitschriften, die zum Teil zeitsparende Funktionen wie Suche und Zusammenfassung bieten?

Dr. Nicola Fritz:

Immer dann, wenn man das Thema vertiefen will bzw. muss und man dann dafür Originaltexte anschauen sollte. Dann eigentlich nur ePaper. Auch, weil man einen breiteren Zugang über das Internet hat und nicht nur einen Anbieter bzw. Verlag abonnieren muss – absolute Hausarztperspektive (vermutlich), weil wir ein breiteres Spektrum haben.

Prof. Dr. Bernd Hohenstein:

Wissenschaftliche Daten müssen natürlich in entsprechenden Formaten publiziert werden. Der Fokus gehört ganz klar elektronischen Publikationen, die dann vom Nutzer ggf. auch intelligent zusammengefasst werden können. Die gebräuchlichen Varianten von Videocasts/Podcasts und Infografiken zu Publikationen werden ja bereits gelebt und sind meines Wissens überaus beliebt.

Print in Kombination mit Kongressen

Sind Printmedien interessanter, wenn sie Kongress-Schwerpunkte haben? Werden dieser öfter gelesen als „normale“ Ausgaben? 

Dr. Nicola Fritz:

Nein.

Prof. Dr. Bernd Hohenstein:

Kann ich letztlich nicht verlässlich sagen. Ich würde aber denken, dass Zusammenfassungen von Kongressen auf jeden Fall für die Leser einen Mehrwert generieren.

Entscheidung „Informationskonsum“ 

Wie entscheiden Sie, welche Inhalte Sie lesen, speziell online, wo das Angebot enorm groß ist? Gibt es Plattformen, die Sie bevorzugt nutzen?

Dr. Nicola Fritz:

Ja. Ich habe mehrere Newsletter. Oft werden da interessante Themen gepostet, die ich dann vertiefend anschaue. Recherche erfolgt aber auch oft, weil ein Thema akut auftaucht. Gestern waren z.B. zufällig zwei Patienten in meiner Sprechstunde, die beide einen neuen AK erhalten haben. Da ist natürlich das Interesse an dem neuen Medikament größer und man schaut auch gezielt auf die Homepage des Herstellers.

Prof. Dr. Bernd Hohenstein:

Ich selbst lese überwiegend Primärpublikationen nierenspezifischer und anderer hochrangiger Journals, benutze also kaum Meta-Plattformen.

Persönlicher kollegialer Austausch

Wie kommen Sie untereinander in den Face-2-Face-Kontakt mit Ihren Kolleg:innen, wenn nicht auf Kongressen? 

Dr. Nicola Fritz:

Persönliches Netzwerken. Ich habe die Telefonnummern meiner wichtigsten Kollegen und Fachärzte. Mit meinen Kollegen in der Umgebung besteht loser Kontakt – wir treffen uns alle paar Monate zum kollegialen Austausch z. B. bei einem Mittagessen.

Prof. Dr. Bernd Hohenstein:

Es gibt sicherlich zahlreiche regionale und lokale Formate, bei denen die Möglichkeit zur direkten Interaktion besteht. Ich persönlich treffe aufgrund der vielfältigen Veranstaltungsverpflichtungen meist mehrmals im Monat andere Kolleginnen und Kollegen.

KI-Formate in der Weiterbildung

Haben Sie bereits KI-Formate in der Weiterbildung kennengelernt bzw. erlebt, indem KI-Bots (z.B. in Form von Avataren) interaktiv Themen präsentieren und bi-direktional aktiv schulen und präsentieren? Falls ja, wie war Ihre Erfahrung damit? 

Dr. Nicola Fritz:

Noch nicht.

Prof. Dr. Bernd Hohenstein:

KI-Weiterbildung und Workshops veranstalte und generiere ich selbst (siehe FutureLab Digitale Nephrologie des DN e.V.).

Weiterbildungswünsche an Pharma

Was würden Sie sich hinsichtlich Weiterbildungen von Pharmaunternehmen wünschen? Was würde Ihnen zur Weiterbildung am meisten helfen?

Dr. Nicola Fritz:

Hands-on! Konkrete Kurse zu neuen Techniken, Schulungen zur Anwendung der Präparate.

Prof. Dr. Bernd Hohenstein:

Ich persönlich glaube, dass vor allem der Multi-Sponsoring-Strategie von Veranstaltungen die Zukunft gehört. Eine der größten Herausforderungen ist und bleibt die Erreichbarkeit von Kolleginnen und Kollegen, welche pharmasponsorte Veranstaltungen kategorisch ablehnen.

Zu guter Letzt …

Wie können Pharma-Unternehmen denn nun am besten mit den Ärzt:innen in Kontakt treten?

Dr. Nicola Fritz:

Ich denke, das praktische Angebot entscheidet. Wenn man spannende Fortbildungen und konkrete Kurse anbietet, dann freut man sich auch über regelmässige Newsletter.

Prof. Dr. Bernd Hohenstein:

Ich glaube, diese Frage muss man sehr stark individualisieren. Es gibt sicherlich Kolleginnen und Kollegen, die Interessenschwerpunkte haben, an denen man hervorragend anknüpfen kann. Gegebenenfalls sind auch über die reine Medizin hinausgehende Interessen der beruflichen Entwicklung oftmals ein guter Anknüpfungspunkt. Siehe spielt der persönliche Kontakt bei innovativen Fortbildungsveranstaltungen oder Kongressen weiterhin eine bedeutsame Rolle.

Jetzt die ärztliche Perspektive im Original erleben

Es lohnt sich, die ganze Aufzeichnung anzusehen, denn es werden viele Fragen beantwortet wie zum Beispiel:

  • Wie sehen sie die Informationsbeschaffung über Newsletter? Beachten Sie Newsletter überhaupt oder wird das eher als „Spam“ angesehen?
  • Wie wird Social Media (Meta und LinkedIN) bewertet?
  • Werden Webinare von der Industrie per se als zu werblich eingeschätzt?
  • Was können wir als Firmen tun, um No-Show-Raten bei Online-Formaten zu reduzieren und mehr Verbindlichkeit bei der Registrierung zu schaffen?
  • Wie kommen Online-Vorträge mit Breakout-Sessions an?

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Kristina Lutilsky
Kristina Lutilsky
ist Redaktionsleiterin von coliquio Insights und berichtet als Senior Content & Communications Specialist über wirksames Healthcare Marketing sowie die spannendsten Trends im Gesundheitswesen.