Ein „Pressekodex“ für den Feed soll Gesundheitsinformationen in sozialen Medien verlässlicher machen. coliquio unterstützt die Initiative InCharge als Partner – denn mit der wachsenden Bedeutung von Social Media und KI wird Glaubwürdigkeit zu einer entscheidenden Grundlage medizinischer Information. 

Eine erfundene Erkrankung, eine vermeintliche Pharma-Kooperation und medizinische Aussagen, die ungeprüft veröffentlicht wurden: Das aktuelle Experiment des YouTubers Marvin Wildhage hat eine breite Debatte über die Verantwortung von Medfluencern ausgelöst. Der Fall ist ein aktueller Anlass – die dahinterliegende Frage reicht jedoch weit darüber hinaus: Woran erkennen Menschen, welchen Gesundheitsinformationen sie vertrauen können?

Dabei geht es nicht darum, einzelne Akteurinnen und Akteure an den Pranger zu stellen. Der Fall zeigt vielmehr, wie schnell medizinische Glaubwürdigkeit ins Wanken geraten kann – selbst in einer Branche, die besonders hohe Ansprüche an Sorgfalt und Selbstreflexion stellen sollte.

Wenn Informationen wachsen, wird Vertrauen knapp 

Gesundheitsinformationen sind heute nahezu unbegrenzt verfügbar. Sie erreichen Menschen über Fachmedien, soziale Netzwerke, Suchmaschinen und zunehmend über KI-Chatbots. Doch mit der Menge der Inhalte wächst auch die Herausforderung, ihre Qualität und Herkunft einzuordnen. 

Der Facharztreport 2026 von coliquio beschreibt diese Entwicklung als „Trust Shift“: In einer komplexer werdenden Informationslandschaft wird Vertrauen zur entscheidenden Währung. Fachliche Korrektheit, transparente Quellen und ein glaubwürdiger Absender gewinnen an Bedeutung – und werden zu einer wichtigen Grundlage medizinischer Informations- und Entscheidungsprozesse.

Ein gemeinsamer Standard für Gesundheitskommunikation 

Hier setzt die Initiative InCharge an, die coliquio als Partner ausdrücklich unterstützt. Das vom Nutrition Hub begleitete Projekt entwickelt eine Art „Pressekodex“ für Ernährungs- und Gesundheitskommunikation in sozialen Medien. 

Die InCharge-Charta basiert auf vier Prinzipien: 

  • Verlässlichkeit: Inhalte wissenschaftlich fundiert aufbereiten und Grenzen der Evidenz benennen  
  • Transparenz: Fachinformation, persönliche Meinung und Werbung klar trennen 
  • Wertschätzung: respektvoll kommunizieren, ohne Angst oder Verunsicherung zu erzeugen  
  • Echtheit: Fehler, Unsicherheiten und die Grenzen der eigenen Expertise offenlegen  

Damit betrachtet die Charta nicht nur, ob eine Aussage fachlich korrekt ist. Sie berücksichtigt auch, wie Informationen verkürzt, visualisiert und über die eigene Person vermittelt werden. Denn ein Beitrag kann formal richtig und dennoch irreführend sein – etwa wenn Einschränkungen fehlen oder persönliche Erfahrungen wie allgemeingültige Empfehlungen erscheinen.

Veranstaltungstipp: Future Bites #3

Zwischen Wissen und Einfluss: KI-Chatbots im Test

Wie verändern KI-Chatbots die Suche nach Gesundheitsinformationen? Bei Future Bites #3 stellt Katharina Radunz, Vice President Product & Marketing DACH bei coliquio, aktuelle Ergebnisse aus dem Facharztreport 2026 vor und zeigt, wie KI das Informations- und Vertrauensverhalten von Ärztinnen und Ärzten verändert.

16. September 2026 · 12:30 bis 14:30 Uhr · online und kostenfrei

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Was Ärztinnen und Ärzte darüber denken

Brauchen Medfluencer einen eigenen Kodex?

In einer aktuellen Blitzlicht-Umfrage unter 46 Ärztinnen und Ärzten innerhalb der coliquio-Community sprechen sich 59 Prozent für eine verbindliche Charta oder einen Verhaltenskodex speziell für ärztliche Medfluencer aus. Sie erwarten davon mehr Vertrauen und eine bessere Qualitätssicherung. 30 Prozent halten das bestehende ärztliche Berufsrecht für ausreichend. Weitere 11 Prozent machen ihre Einschätzung von der konkreten Ausgestaltung abhängig.

Das Ergebnis zeigt eine klare Tendenz zu zusätzlichen Standards. Eine Charta sollte dabei nicht als Ersatz für das ärztliche Berufsrecht verstanden werden. Ihr Mehrwert liegt vielmehr darin, Verantwortung in konkrete, für Social Media geeignete und öffentlich sichtbare Grundsätze zu übersetzen.

Glaubwürdigkeit wird durch KI noch wichtiger

Mit der zunehmenden Nutzung generativer KI gewinnt das Thema zusätzlich an Relevanz. KI-Antworten wirken häufig klar und überzeugend. Für Nutzerinnen und Nutzer bleibt jedoch nicht immer nachvollziehbar, auf welchen Quellen sie beruhen und welche Qualitätsmaßstäbe dahinterstehen. 

Umso wichtiger ist es, fachlich fundierte Gesundheitsinformationen verständlich, transparent und digital auffindbar bereitzustellen. Die Qualität zukünftiger Informationsangebote hängt auch davon ab, welche Inhalte heute im Netz sichtbar werden. 

Mit der Unterstützung von InCharge setzt sich coliquio deshalb für eine Gesundheitskommunikation ein, die informiert, Orientierung bietet und Vertrauen verdient – auf Social Media, in digitalen Fach-Communitys und im Kontext von KI.

Mehr über die InCharge-Charta erfahren: https://www.in-charge.org/

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Kristina Lutilsky
Kristina Lutilsky
ist Redaktionsleiterin von coliquio Insights und berichtet als Senior Content & Communications Specialist über wirksames Healthcare Marketing sowie die spannendsten Trends im Gesundheitswesen.