10 Thesen zur Zukunft der ärztlichen Kommunikation
Wie verändert sich die ärztliche Kommunikation in einer Welt voller KI, Chatbots und digitaler Patienten? Gründerin und Digital-Health-Expertin Inga Bergen trug anlässlich unseres kürzlichen Live-Talks 10 pointierte Thesen zusammen, die zum Umdenken anregen. Ein Pflicht-Read für alle, die 2026 nicht einfach abwarten, sondern gestalten wollen.
Künstliche Intelligenz wird zur ersten Instanz, ärztliche Empathie zum Luxusgut – und Sichtbarkeit und Niedrigschwelligkeit schlagen Qualität. Die Digital-Health-Expertin Inga Bergen hat zehn (provokante) Thesen zur Zukunft von Ärzt:innen, KI und Social Media formuliert. Wir haben ergänzt, was das konkret für Ihre Marketingstrategie bedeuten kann. Los geht’s!
These 1: Autoritätsverschiebung – „Dr. KI“ wird die erste Instanz, Ärzt:innen die zweite Meinung
Das Informationsmonopol ist gefallen. Patient:innen kommen nicht mehr mit Symptomen in die Praxis, sondern mit algorithmisch vor-diagnostizierten Ergebnissen. Die ärztliche Aufgabe verschiebt sich von der Detektivarbeit („Was haben Sie?“) zur Validierung („Hat die KI recht?“).
Was das für Ihr Marketing bedeutet:
- Ihre Inhalte müssen Ärzt:innen bei der Einordnung von KI-Ergebnissen unterstützen
- Bieten Sie Wissen, das über Standard-Diagnosen hinausgeht
- Positionieren Sie Ihre Marke als kompetenten Partner im Spannungsfeld Mensch ↔ Maschine
These 2: Reputation – Digitale Sichtbarkeit beeinflusst zunehmend die Wahrnehmung medizinischer Qualität
In der Aufmerksamkeitsökonomie entscheidet die digitale Sichtbarkeit über den Erfolg. Wer auf Social Media unsichtbar ist oder schlechte Bewertungen hat, verliert Relevanz. Fachkompetenz wird vorausgesetzt, aber die „User Experience“ und die Inszenierung entscheiden über den Zulauf.
Was das für Ihr Marketing bedeutet:
- Sichtbarkeit schlägt Fachlichkeit – auch für Ihre Kommunikation
- Entwickeln Sie SEO-optimierte Inhalte und Social-Media-Strategien für Ihre Zielgruppe
- Helfen Sie Ärzt:innen, ihre eigene digitale Präsenz zu verbessern – und werden Sie dabei selbst sichtbar
These 3: Rollenwandel – Vom Heiler zum Daten-Navigator
Durch Wearables und Tracking-Apps (Apple Watch, Oura Ring) besitzen Patient:innen riesige Datensätze. Ärzt:innen werden von punktuellen Behandlern zu Interpret:innen komplexer Datenströme. Das neue Berufsbild: Kurator:in für Gesundheit, nicht mehr nur Retter in der Not.
Was das für Ihr Marketing bedeutet:
- Bieten Sie Content, der hilft, Daten zu interpretieren
- Erzählen Sie praxisnahe Anwendungsfälle – mit echtem Mehrwert für den ärztlichen Alltag
- Positionieren Sie Ihre Produkte als Entscheidungshilfen, nicht nur als Therapien
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Sie möchten tiefer einsteigen? In der Aufzeichnung finden Sie die komplette Diskussion und viele beantwortete Fragen aus dem Publikum.
These 4: Empathie-Ökonomie – Menschliche Zuwendung wird zum Premium-Produkt
Da KI die „harte“ Arbeit (Diagnostik, Abgleich, Dokumentation) schneller, präziser und billiger erledigt, verfällt der Marktwert von reinem Faktenwissen. Die „Soft Skills“ (Empathie, Zuhören) werden zur härtesten Währung – oft nur noch als Luxusgut verfügbar.
Was das für Ihr Marketing bedeutet:
- Setzen Sie auf Emotionalität, nicht nur auf Information
- Erzählen Sie Geschichten – nicht nur Wirkmechanismen
- Entwickeln Sie Formate, die Nähe schaffen, z. B. Video-Testimonials, persönliche Cases oder Experteninterviews
These 5: Erwartungshaltung – Die „Amazonisierung“ der Patientenansprüche
Patient:innen übertragen ihre digitalen Gewohnheiten auf die Medizin: Sie erwarten Interaktion „On Demand“, Ergebnisse in Echtzeit und präzise Vorhersagen. Wenn Zugang zu Gesundheitsleistungen nicht so schnell und verfügbar ist wie eine App, erzeugt das Frust.
Was das für Ihr Marketing bedeutet:
- Ihre Kommunikation muss schnell, personalisiert und leicht zugänglich sein
- E-Mails, Websites und digitale Touchpoints müssen wie Consumer-Produkte funktionieren
- Überlegen Sie: Wie einfach ist es für Ihre Zielgruppe, an die richtige Information zu kommen?
These 6: Fahrlässigkeit – Wer KI nicht nutzt, begeht Kunstfehler
In naher Zukunft wird es juristisch angreifbar sein, keine KI zu nutzen. Ein Algorithmus, der Millionen von Befunden in Sekunden vergleicht, ist dem menschlichen Auge überlegen. Die Intuition verliert gegen die Präzision der Maschine.
Was das für Ihr Marketing bedeutet:
- Zeigen Sie, wie Ihre Lösungen mit KI arbeiten – oder KI sinnvoll integrieren
- Bilden Sie Ihre Zielgruppe weiter – z. B. mit Whitepapers oder Erklärvideos zu KI-Anwendungen
- Kommunizieren Sie Sicherheit und Evidenz – für mehr Vertrauen in neue Technologien
These 7: Digitale Bindung – Der Algorithmus heilt mit (Placebo 2.0)
Für viele Chroniker:innen wird die tägliche Interaktion mit einer empathischen KI-App oder einem Chatbot intensiver sein als der vierteljährliche 5-Minuten-Termin in der Praxis. Vertrauen entkoppelt sich vom Menschen und bindet sich an das System, das immer da ist.
Was das für Ihr Marketing bedeutet:
- Entwickeln Sie digitale Begleitangebote als integralen Bestandteil Ihrer Kommunikation
- Nutzen Sie Chatbots, Apps oder digitale Services nicht nur als „Add-on“ – sondern als Beziehungsangebot
- Erzählen Sie, wie digitale Nähe zu besserer Versorgung beiträgt
These 8: Cyberchondrie – Der Kampf gegen die virale Panik
Social-Media-Algorithmen verstärken Angstinhalte („3 Anzeichen für Krebs, die du ignorierst“), um Klicks zu generieren. Wartezimmer füllen sich mit gesunden, aber panischen Menschen. Ärzt:innen müssen immer mehr Zeit für das „Debunking“ digitaler Mythen aufwenden.
Was das für Ihr Marketing bedeutet:
- Positionieren Sie sich als verlässliche, faktenbasierte Quelle
- Bieten Sie Ärzt:innen Inhalte, mit denen sie Desinformation entkräften können
- Denken Sie an Infografiken, Mythen-Checks oder edukative Kurzvideos für Social Media
These 9: Privatsphäre – Das Ende der Schweigepflicht durch die Hintertür
Gesundheitsdaten wandern über Lifestyle-Apps und soziale Netzwerke dorthin, wo Datenschutz lückenhaft ist. Zudem kollidiert die ärztliche Diskretion mit der „Sharing Culture“: Patient:innen erwarten Kommunikation via WhatsApp/DM, und „Medical Influencer“ machen Patientenfälle zu Content.
Was das für Ihr Marketing bedeutet:
- Kommunizieren Sie klar, wie Ihre Produkte mit Datenschutz umgehen
- Helfen Sie Ärzt:innen, sich in dieser neuen Kommunikationskultur zurechtzufinden
- Bieten Sie Compliance-konforme Lösungen an – und machen Sie sie sichtbar
These 10: Spaltung – Eine Zwei-Klassen-Medizin 4.0?
Während Kassenpatienten zunehmend effizient von KI-Triage-Systemen und Telemedizin-Bots „abgefertigt“ werden, leisten sich wohlhabende Schichten den „echten Menschen“. Der direkte, physische Kontakt zu Ärzt:innen wird zum ultimativen Statussymbol.
Was das für Ihr Marketing bedeutet:
- Überdenken Sie Ihre Segmentierung: Wen wollen Sie ansprechen – und wie?
- Positionieren Sie Ihre Produkte klar: Für Effizienz, Exzellenz oder Empathie?
- Achten Sie auf Tonalität und Wertekommunikation – Differenzierung wird auch ethisch relevant
Fazit
Diese zehn Thesen zeichnen ein klares Bild: Die Regeln für die Kommunikation mit Ärzt:innen ändern sich rasant – getrieben durch Technik, Plattformlogik und gesellschaftlichen Wandel. Wer jetzt seine Marketingstrategie hinterfragt und neu denkt, bleibt nicht nur sichtbar – sondern relevant.
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