Am 29. Oktober fand der 1. coliquio Summit im Berliner Microsoft Atrium statt. Über 120 Vordenker und Entscheider der Pharma- und Digitalbranche diskutierten dort gemeinsam die digitale Agenda für Pharmaunternehmen. 

Speaker waren Dr. Kai Joachimsen (zuletzt Geschäftsführer Chiesi GmbH), Michael Pröschel (Head Northern Europe und Geschäftsführer Vifor Pharma Deutschland GmbH), Farid Taha (General Manager D/A/CH Almirall Hermal GmbH), Dr. Stefan Koch (Geschäftsführer Aristo Pharma Deutschland GmbH), Juliane Zielonka (CEO LARACompanion GmbH), Martin Pattera (Managing Partner Strategyn) sowie Julius van de Laar,  der als Strategie- und Kampagnenberater bereits Barack Obama im Wahlkampf 2012 unterstützt hat und abschließend Maks Giordano (Co-Founder kreait GmbH). Dr. Holger Schmidt, Netzökonom-Blogger und Chefkorrespondent Digitale Wirtschaft FOCUS, moderierte die Veranstaltung.

„Um in der digitalen Transformation als Sieger vom Platz zu gehen, ist es entscheidend zu verstehen, dass es sich nicht um eine rein technologische Evolution handelt. Die Digitalisierung verändert die Art wie wir die Welt wahrnehmen, Entscheidungen treffen, leben und arbeiten. Entsprechend sind die Erfolgsfaktoren für die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens nicht nur in der Technologie zu finden“

 

Klaus Schwab, Geschäftsführer der Strategieberatung bemorrow

Digitales Zeitalter: 4 Handlungsfelder sichern die Zukunftsfähigkeit

Der digitale Wandel hat unseren Alltag bereits immens verändert: vom Online-Shopping über ausgefeilte digitale Marketingstrategien bis zur Erfassung komplexer medizinischer Daten im Rahmen von Big Data.

Wollen Unternehmen ihre Zukunft im digitalen  Zeitalter sichern, müssen sie Schwab zufolge „agil sein“. Das bedeutet auch, bei digitalen Projekten einen „permanenten Beta-Zustand“ und damit ständige Updates und Verbesserungen zu akzeptieren.

Unternehmen sollten den Kunden in den Mittelpunkt stellen: Dieser lässt sich inzwischen nicht nur anhand seiner Daten genauer profilieren als je zuvor. Er interagiert auch selbst via Social Media und ist keinesfalls mehr ein passiver Konsument.

Ein weiterer Erfolgsfaktor sind interdisziplinäre Teams mit „den richtigen Leuten an Bord“. Die Kollaboration kann dabei eventuell sogar Kunden mit einbeziehen. Last but not least gilt als Hinweis für das vierte Handlungsfeld: „Denken Sie schnell und in Lösungen“.

Geht die Digitalisierung an Pharma vorbei?

„Geht die Digitalisierung dennoch an der Pharmabranche vorbei?“ fragte Holger Schmidt zum Auftakt der  Panel-Diskussion mit den Pharma-Geschäftsführern Dr. Kai Joachimsen (zuletzt Chiesi), Michael Pröschel (Vifor Pharma) und Farid Taha (Almirall Hermal).

Nahezu einstimmig erklärten sie, die Branche liege nicht so weit zurück, wie man denkt. Dennoch handle es sich um einen „konservativen Markt“. Zudem  verhindere die starke Reglementierung  einen Großteil der bereits denkbaren Innovationen.

Zu den Entwicklungen, mit denen sich die Pharmabranche auseinandersetzen müsse, gehöre zweifellos das Empowerment der Patienten. Dank „Dr. Google“ sowie Tracking Apps und Wearables seien diese oft besser über ihren Gesundheitszustand informiert als mancher Arzt. Patienten seien nicht mehr bereit, jede Diagnose und jede Therapie einfach hinzunehmen. Die Branche müsse bei Innovationen voran gehen und den Kundennutzen noch stärker in den Vordergrund stellen als bisher.

Do it or do it not. There is no try.

Aus Sicht eines Generika-Herstellers wie Aristo Pharma seien viele digitale Ideen in einem extrem überregulierten und dem Preisdiktat ausgesetzten Markt nur schwer umsetzbar und der mögliche Erfolg sei dann auch nur schwer zu messen, kritisierte Dr. Stefan Koch, Geschäftsführer Aristo Pharma Deutschland. Dennoch werde digitales Marketing für die Pharmaindustrie unverzichtbar. Die Kernfrage ist „Was kann ich einsetzen?“. Unternehmen sollten sich dann für ein geeignetes Produkt und eine entsprechende Strategie entscheiden. Ein bloßer Test führe im digitalen Marketing nicht zum Erfolg.
Michael Pröschel von Vifor Pharma forderte, bei der „Digitalen Integration“ Stakeholder und Interne im Unternehmen zu berücksichtigen und diesen auch die Nutzung unterschiedlicher digitaler Kanäle zu ermöglichen, beispielsweise Facebook für den Außendienst. Martin Paterra, Managing Partner Strategyn, definierte digitale Innovation in erster Linie als Lösung für  die Bedürfnisse der Nutzer. Und Juliane Zielonka, CEO von LARAcompanion, einem Tech Startup mit digitalen Gesundheitsprogrammen für  Frauen und Paare mit unerfülltem Kinderwunsch, stellte sich im Interview Fragen zu Digital Health Innovationen.

Maks Giordano (Co-Founder von kreait) präsentierte in seiner Keynote internationale Digital Health Trends, darunter zahlreiche Apps, Wearables und Medizinlabore im Miniatur-Format. Was schon heute oder in naher Zukunft möglich sein wird, versetzte viele Teilnehmer ins Staunen.

„Sehr schnell und viel messen, Informationsbedürfnisse erkennen, Experten und Teams vernetzen und emotionale Verbindungen erhalten“. Die coliquio-Gründer Martin Drees und Felix Rademacher skizzierten als Gastgeber des Summit den Weg der Arztcommunity zur Digital Content Plattform und stellten mit „coliquioConnect“ ein neues Produkt vor, das Außendienst und Ärzte noch stärker vernetzt.

„Guter Content polarisiert“

Eines der bekanntesten Best Practice Beispiele für den Umgang mit sozialen Medien und Big Data ist der Wahlkampf von Barack Obama. „Guter Content polarisiert“, erklärte Julius van de Laar, der als Strategie- und Kampagnenberater bereits Barack Obama im Wahlkampf 2012 unterstützt hat. Deswegen habe es sich bewährt, unter anderem auf das hierzulande im Marketing eher verpönte „negative Campaigning“ zu setzen und Schwachpunkte des Gegenkandidaten aufzugreifen. Das Vorhandensein umfangreicher Datenmengen aus den Wahlregistern habe es ermöglicht, jede Betreffzeile eines Newsletters vorher zu testen und jeweils die schlagkräftigste Headline auszuwählen. Die schlechteste Line habe dann etwa eine Resonanz von 400.000 Klicks erzeugt, die beste 2,6 Millionen Klicks. Fakten, die nicht zuletzt die Bedeutung von überzeugendem Content für  digitales Marketing belegen.

Aftershowparty in der Digital Eatery

Nach den Vorträgen schafften Häppchen, Drinks und Musik des DJ-Duos Bader & Bernhard in der Digital Eatery eine angenehme Atmosphäre für den weiteren Austausch.

 

Wir möchten uns herzlich für einen erfolgreichen 1. coliquio Summit bedanken: bei allen Referenten und Partnern für die tolle Unterstützung und Ihr Vertrauen – und bei allen Gästen für die so angeregten und fruchtbaren Diskussionen und Gespräche vor Ort. 

Sie konnten leider nicht persönlich am coliquio Summit teilnehmen oder möchten das Gehörte weiter vertiefen?

 

In den nächsten Wochen teilen wir hier auf dem coliquio-Insights-Blog Insights der Veranstaltung in Form von Videos, Experten-Interviews und Zusammenfassungen.

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