Nach den Befragungen in den Jahren 2023 und 2024 haben wir erneut ausgewählte Healthcare-Marketing-Professionals zu ihren Einschätzungen für 2026 befragt. Wo sehen sie in einem sich wandelnden Markt Potenziale, Entwicklungsmöglichkeiten – und konkrete Herausforderungen? Dieser Artikel fasst die Umfrageergebnisse zusammen und ordnet sie im Kontext aktueller Branchenprognosen ein.

Positive Grundstimmung trifft auf komplexe Herausforderungen

Die Marketingexperten blicken zufrieden auf ihre Ergebnisse im Jahr 2025 zurück – doch die Stimmung für 2026 ist gemischt. Während die Mehrheit der Befragten weiterhin optimistisch bleibt, zeigt sich bei 38 Prozent diesmal deutliche Unsicherheit.

Auch im Jahr 2026 steht die Branche vor großen Herausforderungen. Die Befragten messen dabei zwei Themen die größte Bedeutung bei: Erreichbarkeit der Zielgruppen sowie die Messbarkeit ihrer Marketingmaßnahmen. Letzteres betrifft 38,7 Prozent der Befragten und zeigt im Vergleich zur Vorjahresbefragung einen rückläufigen Trend. Dennoch bleibt die Messbarkeit eine der drei wichtigsten Herausforderungen für die Marketeers. Die Implementierung von KI-Marketingtools bereitet aktuell weniger Probleme als vor einem Jahr. Der entsprechende Wert ist um 19 Prozent gesunken und rangiert somit auf den hinteren Plätzen.

Die Umfrage zu den Healthcare-Marketing-Trends 2026 zeichnet eine weitere große Herausforderung ab: 41,9 Prozent sehen mögliche Ressourcenknappheit bei Fachkräften und dem Budget als zentrales Problem. Umso wichtiger ist es deshalb, gezielt Optimierungspotenziale zu identifizieren und für sich zu nutzen. Bereits jetzt zeigen die Ergebnisse, dass Unternehmen aktiv handeln, um ihre Ressourcen optimal einzusetzen. Denn das Budget verschiebt sich auch in diesem Jahr erneut verstärkt in den digitalen Bereich. Auch die Werbemarktprognose der Hamburger Mediaagentur JOM für 2026 bestätigt in Ihrem Bericht, dass digitale Kanäle 2026 weiter an Bedeutung gewinnen werden. (1)

Megatrend Künstliche Intelligenz (KI)

Zum dritten Mal in Folge Top-Thema: Künstliche Intelligenz ist auch bei der diesjährigen Befragung mit 41,9 Prozent neben Omnichannel das beherrschende Thema im Healthcare-Marketing. Den größten Nutzen beim Einsatz von KI versprechen sich die Befragten in der vereinfachten Erstellung von Content – seien es Texte, Bilder oder Videos (45,2 %).

Diese Einstellung spiegelt sich auch in den Branchentrends 2026 wider. Besonders Bewegtbildinhalte gewinnen weiter an Bedeutung. Antje Teuber-Bosse vom Institut für Wissen (IWW Institut) beispielsweise betont, dass Videos und interaktive Formate entscheidend sind, um im überfüllten Markt sichtbar zu bleiben. (2) Mit KI lassen sich diese wesentlich einfacher und schneller erstellen. Prof. Dr. Sven Reinecke, geschäftsführender Direktor des Instituts für Marketing und Customer Insight sowie Titularprofessor an der Universität St. Gallen (HSG), betont die enorme Relevanz von Generative AI für das Content Marketing. Die Technologie ermöglicht es, Inhalte in großem Umfang zu erstellen und zudem auch Ressourcen zu sparen. (3)

Was heißt das für das zukünftige Skillset? Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz ist zwar ein zentraler Treiber, doch entscheidend für den Erfolg im Healthcare Marketing 2026 ist etwas anderes. An erster Stelle steht die Fähigkeit, Silostrukturen aufzubrechen und interdisziplinär zu arbeiten: 77 Prozent der Befragten nennen die enge Zusammenarbeit von Medical, Marketing und Sales als wichtigste Zukunftskompetenz. Erst danach folgen KI-Know-how (58 %) und Datenkompetenz (52 %). Kreativität und Storytelling (55 %) bleiben dabei unverzichtbar, um technologische Möglichkeiten in relevante, verständliche Kommunikation zu übersetzen. KI wirkt damit weniger als isolierte Kompetenz – sondern als Katalysator für integriertes Denken und Zusammenarbeit.

Generative Engine Optimization (GEO)

Ein weiteres wichtiges Feld 2026: Generative Engine Optimization (GEO). Dabei handelt es sich um Strategien, die die Sichtbarkeit bei KI-Chatbots und KI-generierten Antworten für Suchanfragen beispielsweise für ChatGPT und Perplexity deutlich verbessern. 45,2 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass GEO die digitale Arztkommunikation 2026 maßgeblich prägen wird. Neben Website-Content-Hubs gewinnen hier auch Webinare und digitale Fortbildungen laut der Befragung immer mehr an Bedeutung. Dank KI-unterstützter Automatisierung von Routineaufgaben kann hier nicht nur Zeit gespart werden, sondern es können auch zeitunabhängige und hochwertige Weiterbildungen erstellt und flexibel genutzt werden. (5)

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Nachgefragt bei Hanna Sachse, Chefredaktion PM—Report

Wenn Sie auf Ihre Gespräche, Recherchen und Marktbeobachtungen blicken: Welche Trends, Herausforderungen oder strategischen Verschiebungen werden aus Ihrer Sicht das Pharma- und Healthcare-Marketing 2026 besonders prägen? 

„KI-enabled. Das nehmen wir als Überbegriff für 2026 mit. Das Wort haben wir aus einem gerade aufgenommenen Podcast-Gespräch mit einer Digital-Health-Expertin aufgeschnappt. KI wird künftig verwoben mit menschlicher Expertise, in Digital Health, in Pharma, in ’normale‘ Prozesse, wie beispielsweise die Servicenummer 116 117. Gerade bei dieser Servicenummer für Arzttermine gibt es einiges an Potenzial: Sie kann noch bekannter gemacht werden, Patientenbelange können mit KI analysiert und Sprachassistenten könnten etabliert werden. Aber dort, wo der menschliche Kontakt notwendig und auch gewünscht ist, bleibt er bestehen.

Gerade auch deswegen wird in 2026 bei gleichen oder ähnlichen Themen bleiben: Wie wird unser Gesundheitssystem wieder finanzierbar? Das betrifft so viele Ebenen und unterschiedliche Bereiche. Wie wird die Digitalisierung vorangetrieben, ohne das lange Warten auf die Regularien? Was macht Trump und wie wirken sich seine Sekundenumentscheidungen auf Global Pharma aus?

National und international wird es im Jahr 2026 sicherlich einiges zu beobachten und damit viele Fragen zu beantworten oder überhaupt erst zu stellen geben. Und auch wenn (ja, schon wieder) die KI ebenso uns Medien und Verlage zwar enabelt, Prozesse anders und vor allem effizienter zu gestalten: Die Einordnung bleibt menschlich. In Gesprächen zeigt sich das immer wieder: Es ist wichtig und essenziell zu reden, zu sprechen, sich auszutauschen. Ganz einfach. Und das konkret umzusetzen in Content. Dabei ist eines aber auch ganz klar für 2026: Sichtbar und gleichzeitig für die KI vertrauenswürdig wahrgenommen zu werden. Denn glaubwürdig und journalistisch zu arbeiten, wird schwerer werden. Eine positive Herausforderung – auch für die Pharmakommunikation.“

Drei weitere Trendthemen, die 2026 prägen werden: Prognosen aus der Branche

Personalisierung und neue Customer Journeys

Personalisierung und die Customer Journey sind beim CMO Barometer 2026 neben KI der bedeutende Trend 2026. (6) Dabei gewinnen Themen wie Patientenzentrierung, Storytelling und Community-Building an Bedeutung. (7) Der Trend zur Personalisierung hält in der Healthcare-Kommunikation ebenfalls an: Die Ansprache erfolgt zukünftig nicht mehr in homogenen Zielgruppen, sondern entlang individueller Informations- und Entscheidungswege nach speziellen, sogenannten Micro-Audiences. (4) Um diese Prozesse zu unterstützen, werden KI-gestützte Systeme sich zukünftig zu aktiven Assistenten entwickeln, die Prozesse automatisiert steuern, Daten intelligent verbinden und personalisierte Customer Journeys in Echtzeit ermöglichen. (4)

Content-Qualität und Authentizität für mehr Vertrauen

Es wird zukünftig darum gehen, gezielten Mehrwert für Patienten und auch Ärzt:innen zu schaffen – beispielsweise durch Services, Inhalte, Dialoge und Ökosysteme, die Patienten, Healthcare Professionals und Organisationen miteinander verbinden. (4) Authentischer Content wird 2026 zum Qualitätsmerkmal: KI-generierte Inhalte werden zukünftig schneller erkannt und verlieren an Wirkung. 2026 beginnt ein Richtungswechsel, weg vom Contentdruck hin zu gezielt guten Inhalten mit hoher Authentizität, gerade wenn es um B2B-Kommunikation geht.

Beruflicher Rollenwandel durch KI

Marketing entwickelt sich zunehmend zu einem zentralen Leistungsinstrument für ein modernes Unternehmen, in dem Zieldefinition, Markenentwicklung, Vertrauensbildung und technische Umsetzung zusammenlaufen. Deshalb wird KI weniger zu einem Kampagnenthema als zunehmend zur strukturellen Frage. (3) Denn mit steigender Technologisierung verändert sich auch die Rolle des Marketingverantwortlichen. (8) Ein Beispiel für mögliche Veränderungen des beruflichen Wandels zeigt sich auch in der Rolle und den Aufgaben des Pharma-Außendienstes: Branchenexperten sehen hier beispielsweise zunehmende Themen wie Datenkompetenz (u. a. souveräner Umgang mit CRM, Analytics, KI-Tools), ökonomische Expertise (u. a. evidenzbasierte Argumentation) und hybride Kommunikation (u. a. kurze, evidenzgesättigte Inhalte, konsistente Botschaften über alle Touchpoints). (9)

Fazit: Fokus schärfen, Wirkung erhöhen

Auch 2026 bleibt Künstliche Intelligenz ein zentrales Thema im Healthcare Marketing – doch der Blick der Branche wird differenzierter. KI ist kein Selbstzweck mehr, sondern ein strategisches Instrument, das dort Wirkung entfaltet, wo es hilft, Ressourcen gezielt einzusetzen, Prozesse zu vereinfachen und Inhalte relevanter zu machen.

Gleichzeitig zeigt sich deutlich: Der entscheidende Erfolgsfaktor liegt weniger in der Technologie selbst als in der Art ihrer Nutzung. Vor dem Hintergrund knapper Budgets, steigender Komplexität und wachsender Anforderungen an Messbarkeit rückt die Fähigkeit, Silostrukturen aufzubrechen und interdisziplinär zusammenzuarbeiten, stärker in den Fokus. Erst auf dieser Basis können KI und datengetriebene Ansätze ihr Potenzial voll entfalten.

Erfolgreiches Healthcare Marketing 2026 bedeutet daher weniger Tool-Aktionismus, dafür mehr strategische Klarheit und organisationale Vernetzung. Wer KI, Personalisierung und digitale Kanäle konsequent am tatsächlichen Nutzen ausrichtet – und dabei Medical, Marketing und Sales enger verzahnt –, schafft die Grundlage für nachhaltige Wirkung und langfristige Relevanz.

Quellen

(1) Kodura, Marcel (2025), „JOM-Prognose 2026: Kein Aufschwung in Sicht“, https://www.healthcaremarketing.eu/_rubric/detail.php?rubric=Medien&nr=115976, letzter Zugriff: 12.01.2026

(2) Teuber-Brose, Anne (2026), „B2B Marketing Trends 2026: Auch in der HCP-Kommunikation relevant“, auf: LinkedIn.de, 9.01.2026, https://www.linkedin.com/posts/antje-teuber-brose-1151a572_b2b-marketing-trends-2026-activity-7414187727069597696-NlnH/, letzter Zugriff: 12.01.2026

(3) Marxen, Regine (2026), „Pharmamarketing-Trends 2026: Diese 7 Entwicklungen beschäftigen die Branche“, in: healthrelations.de, 5.01.2026, https://www.healthrelations.de/trends/pharmamarketingtrends-2026-healthcare-pharma/, letzter Zugriff: 12.01.2026

(4) „Relevanz, Glaubwürdigkeit und KI in allen Facetten“, in: pharma-relations.de, 25.11.2025, https://www.pharma-relations.de/branche/ausblick-2026~n5297, letzter Zugriff: 12.01.2026

(5) Lashbrook, Jami (2025), in: on24.com, 22.12.2025, https://www.on24.com/de/blog/4-life-sciences-marketing-trends-to-action-in-2026/, letzter Zugriff: 12.01.2026

(6) „CMO Barometer 2026: KI wird zum zentralen Erfolgsfaktor“, in: pm-report.de, https://pm-report.de/pharmamarketing/2025/cmo-barometer-2026-ki-wird-zum-zentralen-erfolgsfaktor.html, letzter Zugriff: 12.01.2026

(7) „Healthcare-Kommunikation 2026: Zwischen KI-Standard, Datenhoheit und neuer Partnerschaft“, in: pm-report.de, 7.01.2026, https://pm-report.de/pharmamarketing/2026/healthcare-kommunikation-2026-zwischen-ki-standard-datenhoheit-und-neuer-partnerschaft.html, letzter Zugriff: 12.01.2026)

(8) „Pharmamarketing-Trends 2026: Diese 7 Entwicklungen beschäftigen die Branche“, in: healthrelations.de, 5.01.2026, https://www.healthrelations.de/trends/pharmamarketingtrends-2026-healthcare-pharma/, letzter Zugriff: 12.01.2026

(9) „Pharma Außendienst 2026: Zwischen Digitaldruck und neuer Beratungsrolle“, in: pm-report.de, 9.12.2025, https://pm-report.de/aussendienst/2025/pharma-aussendienst-2026-zwischen-digitaldruck-und-neuer-beratungsrolle.html, letzter Zugriff: 12.01.2026

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