Apps, die Gehörlosen den Alltag erleichtern und Mediziner befähigen in Gebärdensprache zu kommunizieren? Oder eine App, die Ihnen hilft zu entscheiden, ob ein Arztbesuch notwendig ist oder nicht? All das gibt es schon und wird unter dem Begriff Mobile Health zusammengefasst. Mobile Health ist zukunftsweisend und nimmt immer mehr Raum im alltäglichen Leben ein.

Unter Mobile Health versteht man eine durch Mobilgeräte elektronisch unterstützte Gesundheitsversorgung. Ganz allgemein wird dabei zwischen Hardware und Software unterschieden. Smartphones oder Smart Watches sind der Hardware zuzuordnen, während Medical Apps sowie Fitness- oder Wellness-Apps zur mobilen Software gezählt werden.

Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an Gesundheits- und Lifestyle Apps für ein besseres Lebensgefühl. In den App Stores finden Sie mehr als 100.000 dieser Apps. Davon gilt aber nur ein Bruchteil von etwa zwei Prozent als medizinische App im engeren Sinne. Deshalb haben wir uns umgeschaut, welche Anwendungen dieses Jahr den Markt erstürmen, die Branche bewegen und auch in Deutschland bereits technisch umsetzbar sind.

iSignIT-app – so kann jeder Gebärdensprache

Rund 200.000 Menschen kommunizieren in Deutschland in Gebärdensprache. Wer Gebärdensprache spricht, kann alles erzählen. Leider tun das nur die Wenigsten und deswegen werden Gehörlose im Alltag häufig nicht verstanden. Besonders notwendig wird die Verständigung jedoch, wenn es um medizinische Fragestellungen geht. Präzise und verlässliche Kommunikation ist hier unerlässlich und trotzdem sind Gebärdensprachendolmetscher nicht immer direkt verfügbar. Klare Aussagen können Patienten retten, wenn Mediziner in der Lage sind diese zu verstehen. iSignIT-app ist eine App, die diesem Problem entgegenwirken will. Die App wurde speziell für den Einsatz im Krankenhaus oder in der Arztpraxis entwickelt. Damit soll eine Basiskommunikation in Gebärdensprache sichergestellt werden. Anhand von einfachen Fragen und Antworten kann sich ein schwerhöriger oder gehörloser Patient mit einem Arzt oder einer Pflegekraft verständigen. Vorgegebene Themen sollen hierbei die Kommunikation erleichtern. Der Arzt kann so eine bessere Anamnese erheben und den Patienten über die Behandlung oder die nächsten Schritte informieren. Die App ist zurzeit in englischer, deutscher und österreichischer Gebärdensprache verfügbar.

Patchie Kindertherapie-App – Therapieerfolge leicht gemacht

Auch vor den Kleinsten machen chronische Krankheiten nicht Halt und Therapiemaßnahmen und Behandlungen werden Alltag für viele Kinder. Nicht nur für Kinder ist diese Belastung schwer zu ertragen, auch für ihr Umfeld stellt das eine große Herausforderung dar. Manchmal geht das so weit, dass die Therapie durch die Beteiligten abgebrochen oder vernachlässigt wird, obwohl dies das Kindeswohl gefährdet und mitunter gravierende Konsequenzen haben kann. Birds and Trees beabsichtigt mit der Patchie Kindertherapie-App, den Therapiealltag von Kindern mit einer chronischen Erkrankung wie Mukoviszidose und Asthma zu erleichtern und ihnen spielerisch die Wichtigkeit zu vermitteln. Die Idee besteht aus zwei eigenständigen Apps, die sich jeweils ergänzen.

1. Game-Applikation

Da die Therapie äußerst beschwerlich und zeitaufwendig ist, wird Kindern mittels einer Spiele-App die Dringlichkeit der App vermittelt. Im Mittelpunkt steht „Patchie“, ein Außerirdischer, der Mukoviszidose hat. Die Nutzer übernehmen für Patchie die Verantwortung. Den Kindern wird altersgerecht die Notwendigkeit der regelmäßigen Einnahme von Medikamenten sowie die Durchführung relevanter Therapien erklärt – und das auf spielerische Art und Weise.

2. Therapie-Applikation

Die zweite App spricht die Eltern an und beinhaltet den ausführlichen Therapieplan. Außerdem verfügt sie über eine Nachrichtenfunktion, die es ermöglicht, mit dem Arzt und sonstigen Behandlern jederzeit Kontakt aufzunehmen.

Die beiden Apps sind so miteinander verknüpft, dass jede Änderung im Therapieplan bei den Eltern und in der Kinderversion automatisch synchronisiert wird.

Erscheinungsdatum: 3. Quartal 2017

ResApp – die App, die Sie abhört

Es ist Winter. Draußen ist es noch dunkel und die Erkältungswelle hat schon viele Kollegen im Büro erwischt. Man selbst wacht auf und hat einen unangenehmen Hustenreiz. Vielleicht etwas Ernstes? Die australische ResApp liefert Antworten und das direkt aus dem Schlafzimmer, wenn es sein muss – der User braucht nur sein Smart Phone, um herauszufinden, ob er einen ernstzunehmenden Husten hat oder nur eine harmlose Infektion. Die ResApp hat einen regelrechten Hype weltweit ausgelöst. Erste Tests konnten zeigen: Am Klangbild des Hustens erkennt die Anwendung mit Genauigkeiten von mehr als 90 Prozent, ob es sich um Asthma, eine Lungenentzündung, eine chronische obstruktive Lungenerkrankung oder eine eher harmlose Infektion der oberen Atemwege handelt. Treffsicherer sei auch Röntgen nicht, sagen die Erfinder und raten dennoch im Zweifel trotzdem zum Arztbesuch.

MIMI – der Hörtest für Zuhause

„Wie bitte?“ – Vermutlich ist das eine der meist gestellten Fragen im Alltag. Das muss kein Zeichen für ein sich verschlechterndes Hörvermögen sein. Trotzdem wächst die eigene Unsicherheit, wenn man den Eindruck gewinnt immer wieder nachfragen zu müssen um in Unterhaltungen mitzukommen. Deshalb aber gleich zum Arzt zu gehen um sein Hörvermögen zu testen erscheint vielen übertrieben und zeitaufwendig. Aber auch dafür gibt es eine App: MIMI. Seit Mai 2014 steht die App Mimi zum kostenfreien Download zur Verfügung, mittlerweile in Version 3.0 und in 14 Sprachen. Die App Mimi ermöglicht es dem Nutzer, mit dem eigenen Smartphone einen Hörtest durchzuführen – und im nächsten Schritt seine Lieblingsmusik daraufhin optimiert abzuspielen. Bereits 100.000 Menschen haben sich bereits den Mimi-Hörtest heruntergeladen. Mit dem Kurztest kann man sofort starten und der dauert nur 5 Minuten. Dabei werden verschiedene Töne in verschiedener Lautstärke abgespielt, die der Nutzer zuordnen muss. Sobald der Nutzer das Geräusch erkennt, muss er es per Tastendruck dem linken oder rechten Ohr zuordnen. Die Töne starten leise und werden immer lauter. Im nächsten Schritt kann die Lieblingsmusik daraufhin optimiert abgespielt werden. 2016 war Mimi Hearing Technologies auch beim coliquio-Summit dabei.

M-sense: Migräne & Kopfschmerz

Etwa 10 Prozent der Bevölkerung leiden unter Migräne. Darunter versteht man bestimmte, anfallsweise auftretende Kopfschmerzen (Migräneattacken), die durch Bewegung verstärkt werden. Zusätzlich zu den Migräneattacken können andere Symptome wie etwa Übelkeit, Appetitlosigkeit oder Licht- und Lärmempfindlichkeit auftreten. M-sense ist die erste zertifizierte Medizin-App, die Nutzer darin unterstützt, Migräne- und Spannungskopfschmerzen konkret vorzubeugen. Die Kopfschmerz- und Migräne-App hilft, die Auslöser der Migräne- und Kopfschmerzattacken zu finden, um darauf aufbauend einen Therapieplan zur Verfügung zu stellen, der speziell auf den User ausgerichtet ist. Im ersten Schritt dokumentiert M-sense die jeweiligen, individuellen Einflussfaktoren, Attacken und Medikamente. Im zweiten Schritt hilft M-sense, die Auslöser der Attacken zu finden, um dann Migräne-Attacken vorbeugen zu können. Die App schlägt in einigen Fällen unter anderem beispielsweise progressive Muskelentspannung vor.

eHealth

eHealth hilft auch bei der Therapie psychiatrischer Krankheitsbilder. Bekannt sind diese Produkte unter dem Namen E-Mental-Health.

Novego – Digitale Selbsthilfe bei Depressionen

„Selbsthilfe bei Depressionen“ verspricht Novego. Die App hat es sich zum Ziel gesetzt, einen digitalen Beitrag in der Behandlung von Depressionen und anderen psychiatrischen Krankheiten zu leisten. Zum Angebot gehören 12-wöchige Online-Programme zur Bewältigung depressiver Symptome sowie zwei 4-wöchige Programme zu den Themen Burnout und Angst. Dabei umfasst Novego Hintergrundinformationen zu eigenen Krankheitsbildern sowie multimediale Übungsmaterialen und das Tracking des eigenen Befindens. 1-2 Stunden pro Woche brauchen Anwender, um das Programm durchzuführen. Auf Anfrage erhält man ein schriftliches Feedback durch das Psychologen-Team von Novego. Der Gesamtpreis für einen 12-wöchigen Kurs liegt bei 177 € und wird teilweise von der Kasse übernommen.

deprexis24 hilft online bei Depression

Auch diese e-mental-Health-App hat zum Ziel, negative Denkmuster zu erkennen und neue Verhaltensweisen zu erlernen, um so die Therapie des Arztes oder Psychotherapeuten zu unterstützen. Dabei basiert die App auf den Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie. Neben der Vermittlung von Übungen und Techniken, wird der Patient per E-Mail und SMS durch das Programm begleitet. Deprexis24 soll helfen, die Wartezeit auf einen Therapieplatz zu überbrücken. Die App führt einen virtuellen Dialog mit dem Nutzer, stellt sich so auf seine Angaben ein und reagiert individuell auf seine Antworten. Mithilfe des Programms kann der Nutzer verschiedene Online-Module beliebig oft durcharbeiten. Diese decken Themen ab, die auch in der klassischen kognitiven Verhaltenstherapie behandelt werden.

Fazit

Das sind nur einige Beispiele für innovative Apps und Behandlungsansätze zur Verbesserung der Versorgung. Sie alle wurden von Start-ups entwickelt, die Informations- und Kommunikationstechnologien einsetzen möchten, um Gesundheitsprobleme von vielen Menschen zu lösen bzw. abzumindern. Bis jetzt sind noch viele in der Test-Phase. Die Visionen ihrer Gründer zeigen aber, wie die Zukunft der Medizin aussehen wird und welche Apps sich schleichend in unseren Alltag integrieren werden.

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Amira Sabeur
Amira Sabeur
ist Redakteurin bei coliquio Insights und berichtet über aktuelle Marketing-Themen und ihre Relevanz für den Gesundheitsmarkt.

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