„Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft“ – so heißt es in einem bekannten Sprichwort. Der Verein „Freiwillige Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie e.V.“, kurz FSA, hat zum 01. Juli 2014 einige Änderungen vorgenommen, um dem entgegenzuwirken. Mit dem Geschenkeverbot gehöre die Übergabe von geringwertigen Werbemitteln an Angehörige der Fachkreise ab sofort der Vergangenheit an.

Was sagen eigentlich die Ärzte zu dem ganzen Thema? Die Frage hat bei coliquio unter den Ärzten für heiße Diskussionen gesorgt.

Wer sich mit Kugelschreibern oder Post-it´s bestechen lässt, dem ist sowieso nicht mehr zu helfen.

Arzt für Allgemeinmedizin

Ein Narr der denkt, dass die Einflussnahme der Pharmaindustrie jetzt gebannt ist. Den sicherlich wesentlich größeren ” Kugelschreiber” bekommt jetzt nur ein Anderer. Oder wo bleibt die Nachricht dass die Arzneimittel jetzt wesentlich billiger werden nachdem die korrupte Ärzteschaft nicht mehr geschmiert werden muss. Tolle Sache! Riesen Erfolg!!!

Arzt für Orthopädie und Unfallchirurgie

Überall darf man sich in Erinnerung bringen – Werbung ist erlaubt. Das ist völlig übertriebener Aktionismus, der nur zeigen soll: “ut aliquid fiat” – aber unbegründet ist. Man hat halt der Masse Mensch wieder ein Gesetz hingeworfen, um zu zeigen, dass man etwas tut – ohne wirklich etwas getan zu haben. Man hat aber den Eindruck erweckt, der Pharmaindustrie vor das Schienbein gegrätscht zu sein. Haben wir wirklich keine anderen Probleme?

Arzt für innere Medizin

Ich kann mit dem Verbot gut leben, da ich solche Geschenke immer direkt an die Schwestern unserer Ambulanz durchgereicht habe.
Womit ich nicht leben kann, ist die Kriminalisierung unseres Berufs, der durch diese Regelung letztendlich unter Generalverdacht gestellt wird.

Arzt für innere Medizin

Nicht alle Ärzte wettern gegen die eingeführte Änderung, einige Ärzte stimmen dem Kodex positiv gestimmt zu.

Es gibt dazu Dutzende von Experimenten aus der Sozialpsychologie, das ganze heißt “Reziprozitätsprinzip”, und es ist beinahe schon egal, wie hoch oder niedrig der Wert des “Geschenks” ist.
… Ich kann aus dieser Perspektive nur sagen: Klingt albern, ist aber korrekt und wissenschaftlich fundiert, das so klar zu machen.

Ärztin für Psychologie und Psychotherapie

Das Verbot ist längst überfällig, kommt Jahrzehnte zu spät! Ich bin erstaunt, wie lässig manche Kol­legen damit umgehen. Genau für diese Kollegen ist ein generelles Verbot nötig.

Arzt für psychosomatische Medizin

Letztlich fallen die Meinungen zum Geschenkverbot äußerst unterschiedlich aus und es bleibt spannend, wie sich die Situation und die Diskussion der Ärzte dazu weiter entwickelt.

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Christine Stegmayer
Christine Stegmayer
verantwortet bei coliquio das Eventmanagement und die Pressearbeit. Von Hause aus Juristin, im Herzen gelebte Marketerin – mit diesem Experten-Mix versorgt sie Pharma-Entscheider regelmäßig mit wertvollen Insights.