Generation Digital: Wie Sie die junge Ärzteschaft gezielt erreichen
Die Präferenzen der jüngeren Ärzteschaft bei der Informationsbeschaffung im beruflichen Kontext unterscheiden sich von denen älterer Generationen. Doch welche Kanäle nutzen sie im Praxisalltag? Welche Inhalte kommen gut an – und in welcher Form? Aktuelle Studien geben Einblicke, die Ihnen helfen können, Ihre Kommunikationsstrategie entsprechend anzupassen.
Sowohl die Activity – Reachability – Interaction (ARI)-Studie der Ärztenetzwerke coliquio, DocCheck und esanum als auch der coliquio Facharztreport 2024 und 2025 beleuchten die Medien- und Fortbildungspräferenzen der jüngeren Ärzteschaft. Lesen Sie hier die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst.
Digitale Medien dominieren – vor allem bei jungen Ärztinnen und Ärzten
Digitale Kanäle sind ein bedeutender Bestandteil der medizinischen Informationsbeschaffung und gewinnen bei der jüngeren Ärzteschaft zunehmend an Bedeutung. Bei den insgesamt 1.385 Befragten der ARI-Studie fällt mehr als die Hälfte der beruflichen Mediennutzung zur Informationsbeschaffung auf digitale Quellen. Und der Anteil der Nutzung digitaler Medien steigt in den unteren Alterskategorien. Jüngere Ärztinnen und Ärzte (unter 40 Jahren) informieren sich mittlerweile zu 70 % digital und zu 30 % analog.
Top 3 der digitalen Informationsquellen der jungen Ärzteschaft
Der ARI-Studie zufolge nutzen jüngere Ärztinnen und Ärzte mehr verschiedene digitale Quellen zur Informationsbeschaffung als ältere Generationen. Im beruflichen Kontext setzen Ärztinnen und Ärzte unter 40 Jahren, insbesondere auf diese 3 digitalen Informationsquellen:
Webseminare & Online-Fortbildungen:
Online-Fortbildungen werden von der Mehrheit der Ärztinnen und Ärzte in allen Altersgruppen genutzt – und sogar von 83 % der unter 40-Jährigen. Sie werden zudem von den jeweiligen Nutzern der jüngeren Ärzteschaft als (sehr) relevant bewertet.
Digitale Lernplattformen wie z. B. AMBOSS:
Ein Großteil der Befragten unter 40 Jahren (77 %) greifen auf digitale Lernplattformen zurück – je jünger, desto mehr Ärztinnen und Ärzte nutzen digitale Lernplattformen.
Ärztecommunities (z. B. coliquio, DocCheck, esanum):
Mit 68 % Nutzung im beruflichen Kontext sichern sich die Ärztenetzwerke den dritten Platz bei der jungen Ärzteschaft. Damit steigen sie im Vergleich zum Vorjahr einen Platz auf und werden heute mehr denn je genutzt!
An vierter Stelle folgt dann die Online-Literaturrecherche (z. B. Pubmed) mit 62 %, die bei der Informationsbeschaffung ebenfalls noch eine sehr bedeutende Rolle spielt.
Wie werden Chatbots in Klinik und Praxis eingesetzt?
Die Nutzung von KI-Chatbots nimmt zu, vor allem in den jpngeren Alterssegmenten ist die Offenheit sehr groß. Wie genau werden Chatbots im ärztlichen Alltag eingesetzt? Unser Report gibt Antworten!
Diese Medien- und Beitragsformate sind hoch im Kurs
Ob jung oder alt, laut dem Facharztreport 2024, für den 1.252 Ärztinnen und Ärzte auf coliquio befragt wurden, sind Textbeiträge das bevorzugte Medienformat im beruflichen Kontext. Die anderen modernen Formate, insbesondere das Schaubild, finden jedoch beim jüngeren Segment durchgehend größeren Anklang. Die beliebtesten Beitragsformate sind auch altersunabhängig: Der Favorit ist und bleibt die Studienzusammenfassung. Die jüngere Zielgruppe hat aber stärkere Präferenzen für grafische Aufbereitungen von Studien, Infografiken und Quizzen.
Was sind die Vorlieben jüngerer Ärztinnen und Ärzte, wenn es um Videos und Podcasts geht? Dies erfahren wir aus dem coliquio Facharztreport 2024:
Fortbildungen: Die digitale Lernwelt der jungen Generation
Auch bei der ärztlichen Weiterbildung zeigt der Facharztreport 2025 deutlich, dass sich die Präferenzen im Generationenvergleich wandeln. Während die ältere Ärzteschaft (46 Jahre und älter) vermehrt auf klassische Informationsquellen wie Fachzeitschriften und E-Mail-Newsletter setzt, bewegen sich Medizinerinnen und Mediziner unter 46 Jahren ganz selbstverständlich in professionellen Ärztenetzwerken. Immer häufiger – mittlerweile fast jede oder jeder Fünfte in dieser Altersgruppe – entdecken sie relevante Fortbildungsangebote zudem über Social Media.
Dieser digitale Trend spiegelt sich auch beim Erwerb der wichtigen CME-Punkte wider. Die ältere Generation schätzt nach wie vor den persönlichen Austausch und sammelt ihre Punkte bevorzugt in Präsenz auf Kongressen. Die jüngere Zielgruppe zeigt hier hingegen eine starke Affinität zu digitalen Lösungen: Online-CME-Beiträge und zertifizierte Webinare erfreuen sich bei ihnen wachsender Beliebtheit und sollten daher in keiner modernen Fortbildungsstrategie fehlen.
Ein verbindendes Element über alle Altersgrenzen hinweg ist jedoch der Wunsch nach zeitlicher Flexibilität: Für gut ein Drittel der Ärzteschaft (38 %) ist die selbstbestimmte Zeiteinteilung entscheidend. On-Demand-Formate, die sich flexibel in den fordernden Praxis- und Klinikalltag integrieren lassen, sowie stark praxisnahe und anwendbare Inhalte (58 %) stehen daher bei der Fortbildungswahl hoch im Kurs.
Kongresse: Hybride Formate und digitale Verlängerung
Trotz der digitalen Transformation und dem Trend zu Online-Fortbildungen behaupten Fachkongresse ihre zentrale Position. Die große Mehrheit der Medizinerinnen und Mediziner nimmt unabhängig vom Alter mindestens einmal jährlich an einem Kongress teil. Bemerkenswert ist dabei, dass hybride Formate und digitale Teilnahmemöglichkeiten mittlerweile eine nahezu gleichwertige Akzeptanz wie reine Präsenzveranstaltungen genießen.
Neben dem rein wissenschaftlichen Wissenstransfer erfüllt der Kongressbesuch eine wichtige soziale Funktion: Der kollegiale Austausch und das Networking rangieren auf dem dritten Platz der wichtigsten Teilnahmemotive. Für Ihr Pharmamarketing bedeutet dieser Wandel im Nutzungsverhalten, dass Kongressauftritte zunehmend digital verlängert werden müssen. Insbesondere für die jüngere Ärzteschaft, die vermehrt an hybriden Formaten teilnimmt oder aufgrund enger Zeitpläne nicht vor Ort sein kann, sind zeitnahe, qualitativ hochwertige Zusammenfassungen der Kongressinhalte als „On-Demand-Snack“ im Nachgang von unschätzbarem Wert.
Außendienstbesuche spielen eine (untergeordnete) Rolle
Zur Nutzung des Außendienstbesuches lässt sich festtellen: Laut der ARI-Studie 2024 empfangen nur 29 % der Ärztinnen und Ärzte unter 40 Jahren grundsätzlich den Außendienst. Ungefähr die Hälfte dieser Gruppe tun dies mindestens 1x im Monat. Außendienstbesuche werden von älteren Ärztinnen und Ärzten hingegen mehr und regelmäßiger empfangen
Der Facharztreport von 2024 bestätigt dieses Ergebnis. Er weist außerdem darauf hin, dass Ärztinnen und Ärzte ab 46 Jahren mit dem Außendienst, wie sie ihn gerade erleben, eher zufrieden sind, während die Jüngeren sich eher wünschen, dass der Außendienst digitaler wird. Sie würden den Außendienst weniger vermissen, wenn es nicht mehr geben würde, als es die Älteren angeben.
Fazit
Die Ergebnisse zeigen, dass digitale Medien bei der jüngeren Ärzteschaft sehr beliebt sind, wenn es um die Informationsbeschaffung im beruflichen Kontext geht. Ärztinnen und Ärzten unter 40 Jahren verlassen sich vor allem auf digitale Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Textbeiträge bleiben das bevorzugte Medienformat, wobei Studienzusammenfassungen über alle Altersgruppen hinweg das beliebteste Beitragsformat sind. Jüngere Ärztinnen und Ärzte präferieren jedoch verstärkt grafische Darstellungen, Infografiken und interaktive Formate. Aber auch der persönliche Austausch spielt für Jüngere eine wichtige Rolle.
Die Ergebnisse unterstreichen, dass ein ausgewogener Mix aus verschiedenen Medien, Kanälen und Formaten entscheidend ist. Gemeinsam bieten sie die besten Möglichkeiten, junge Ärztinnen und Ärzte effektiv zu informieren und weiterzubilden.
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