Ärztediskussion, 877 Leser, 23 Kommentare

Beitrag des fragestellenden Arztes für Allgemeinmedizin:

„Ich bitte um ein mögliches Therapieschema bzgl. der Zielgruppen in Analogie zum bereits existierenden Beipackzettel für junge Mädchen: Therapie und ggf. pitfalls bei Ausweitung der Impfindikation.
Sind Zahlen bekannt bzgl. perinataler Übertragung auf Neugeborene (ausser dem m.E. unverbindlichen „ubiquitären“ Vorkommen)?

Also letztendlich nochmals klar formuliert: Müssen wir unsere Jungen gleichfalls impfen, oder wird das bei uns über die „Sexualaufklärung“ laufen – eine preiswertere Schiene, aber als alleinige Abwehrmassnahme wohl heutzutage nicht unbedingt ethisch zu vertreten.“

 

„Eine sehr schöne Zusammenfassung findet sich unter folgendem Link: http://www.krebsgesellschaft.de/ip_pat_tdm_201304_hpv_leitartikel,229355.html

Bei flächendeckender Umsetzung der Impfung ergeben sich folgende statistische Ergebnisse:

Schutz vor CIN fast 100%ig
nach 10 Jahren: Reduzierung der Anzahl der HPV Infektionen um 46000

nach 15 Jahren: Reduzierung der CIN-2/3-Läsionen um 42 %

nach ca. 25 Jahren: Reduzierung der Cervix-Ca Fälle um 78%

für den tetravalenten Impfstoff: Reduktion der Genitalwarzen um 89 %

Ich denke schon, dass dies Ziele sind, die wir als Gynäkologen, Kinderärzte und Allgemeinmediziner anpacken sollten.“

Arzt Frauenheilkunde und Geburtshilfe

„Als Kinder- u. Jugendarzt habe ich – ehrlich gesagt – weniger Probleme mit den „Impfgegnern“, die sind meist sowieso nicht zu belehren.
Was mir wirklich graust, ist die Argumentation nicht weniger Frauenärzte gegen die HPV-Impfung. Da werden die Mütter schon geprimt, bevor die Töchter das Impfalter erreicht haben. Die Motivation dieser „Kollegen“ bleibt mir schleierhaft. Aber die Durchimpfungsrate der jungen Frauen in Deutschland sagt alles. Die Diskussion über die Impfung der jungen Männer wirkt unter diesem Blickwinkel schräg.“

Arzt Kinder- und Jugendmedizin

„Stimmt, es ist ein Thema, das alle angeht. In einem so öffentlichen Forum ist eine Impfdiskussion, gerade bei einem teils kontrovers diskutierten Thema, relativ heikel. Schließlich trifft man hier gern auch auf Impfgegner. Sicher ist Vieles auch von der Pharmaindustrie gesteuert. Aber ich erlebe doch eine Zunahme besonders jüngerer Frauen mit HPV-assoziierten Veränderungen. Und jeder Schritt, um dies zurückzudrängen, ist ein Schritt in die richtige Richtung.“

Arzt Frauenheilkunde und Geburtshilfe

„Ich impfe, seit die Impfstoffe auf den Markt kamen, auch Jungs off-Label, erkläre das den Eltern bzw. den jungen Kerlen. Bisher hat sich nach einem eingehenden Gespräch keiner „verweigert“.  Alle mussten den Impfstoff zwar privat bezahlen, aber das haben sie gerne getan. Das Nebenwirkungsprofil war nicht anders als bei den Mädchen.“

Allgemeinmediziner

„Buben zu impfen war off-Label, ist es aber nicht mehr. Der HPV-4 Impfstoff ist für Buben und Mädchen ab 9 Jahren zugelassen- keine Altersgrenze nach oben.
Wegen der sehr seltenen orthostatische Dysregualtion- ist es wie bei allen Impfungen sinnvoll dass die Geimpften immer sitzen.“

Arzt Öffentliches Gesundheitswesen

„Lieber Kollege, in keinem Fall hatte ich eine Allergie und in keinem Fall musste ich den Patienten lagern wegen orthostatischer Dysregulation. Lediglich, aber das kennen wir ja von anderen Impfungen auch, um die Injektionsstelle herum hatten manche Betroffene ein bis zwei Tage lang etwas Druckschmerz.“

Allgemeinmediziner

„…Zusammengefasst also meine ich:
DAFÜR spricht, dass die Impfung vermutlich sehr gut gegen alle HPV-assoziierten Karzinome schützt;
DAGEGEN spricht, dass die Impfung der Knaben vermutlich nicht kosteneffektiv ist, da sie eher selten an einem solchen Ca erkranken. Wahrscheinlich kann man ein Vielfaches der Kosten für die HPV-Impfung von Knaben zur Raucher- und Unfallprävention einsetzen und ist pro gerettetes Leben immer noch viel kosteneffektiver. Die Impfung von MSM könnte vielleicht empfohlen werden. Zu warnen gilt aber: je seltener der zu erwartende Nutzen jeder Impfung, umso relevanter die Komplikationsrate! Auch unter diesem Aspekt dürfte die Impfung von Knaben schlecht abschneiden.“

Arzt Frauenheilkunde- und Geburtshilfe

 

 

 

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Christine Stegmayer
Christine Stegmayer
verantwortet bei coliquio das Eventmanagement und die Pressearbeit. Von Hause aus Juristin, im Herzen gelebte Marketerin – mit diesem Experten-Mix versorgt sie Pharma-Entscheider regelmäßig mit wertvollen Insights.