Welche Trends werden das Gesundheitswesen im Jahr 2017 prägen? Diese Frage lässt sich aus ganz verschiedenen Perspektiven beantworten. Die Cleveland Clinic konzentriert sich beispielsweise vor allem auf die medizinischen Durchbrüche, die dieses Jahr zu erwarten sind. Auch der Regierungswechsel in den USA wird einen signifikanten Einfluss auf die Entwicklung der Gesundheitsbranche haben.

Wir haben aber einen anderen Fokus gewählt:

Wir haben uns die Frage gestellt, welche digitalen Innovationen das Leben von Patienten verbessern werden und was dieses Jahr im Pharmamarketing wichtig wird.

1. Wearables helfen bei der medizinischen Diagnose

Bisher werden Wearables größtenteils dazu verwendet „hobbymäßig“ die persönliche Fitness zu überwachen – eine medizinische Nutzung ist die Ausnahme. Vielfach haben Ärzte noch keinen Zugriff auf die Daten, die Patienten sammeln, und können sie daher nicht zur medizinischen Diagnose heranziehen. Diese Datenwand zwischen Arzt und Patient wird 2017 aufbrechen und das geschlossene medizinische Ökosystem wird damit Realität. Diese Entwicklung hat bereits begonnen. Roche geht beispielsweise seit 2014 erste Schritte mit „Emminens“, einer web-basierten Lösung, die eine bessere medizinische Versorgung von Diabetes-Patienten ermöglichen soll. Auf dieser Plattform hat der Arzt Zugriff auf alle Daten des Patienten. Er kann Therapieempfehlungen ableiten und entscheiden, zu welchem Zeitpunkt ein Patient zur Untersuchung in die Klinik kommen muss. Der Vorteil: der Arzt muss sich nicht mehr allein auf die Erlebnisberichte seiner Patienten verlassen. Er kann die Daten, die ihm zur Verfügung stehen, nutzen, um seine Entscheidungen zu treffen.

Auch Medtronic hat erst kürzlich eine Partnerschaft mit demselben Ziel mit Fitbit geschlossen.

2. Medizinische Plattformen geben Therapieempfehlungen

Fitness und Gesundheitsapps gibt es schon länger, bis jetzt dienen sie allerdings vor allem dazu, das persönliche Wohlbefinden zu steigern und zu mehr sportlicher Aktivität anzuregen. Apps als Medizinprodukte haben dagegen erst jetzt ihren Durchbruch und werden bald fester Bestandteil unseres Gesundheitssystems sein.

Ein Beispiel ist die App „One-Life“ für werdende Mütter. Sie gibt Therapieempfehlungen während der Schwangerschaft. Besonderes Beispiel ist auch die Plattform Caterna für Kinder mit Amblyopie. Kinder können dort Seh-Übungen machen um das Auge zu trainieren. Es ist das erste kassenärztlich verschriebene Programm.

Caterna
Quelle: caterna.de

3. Telemedizin wird Realität in Deutschland

In vielen Ländern mit sehr ländlichen Gegenden, wie z.B. Kanada, ist Telemedizin aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Jetzt geht auch Deutschland die ersten Schritte: Die Bundesärztekammer hat nun die technischen Voraussetzungen geklärt, sodass es ab Juli 2017 eine eigene EBM (Abrechnungsziffer) für Telemedizin geben soll. Damit werden Videosprechstunden schon bald zu unserem Alltag gehören. Ziel ist es, das Leben der Patienten einfacher und das Gesundheitssystem als Ganzes effizienter zu machen. Einige Bundesländer haben bereits erklärt, diese Entwicklung anführen zu wollen. Baden-Württemberg etabliert sich als Vorreiter für Telemedizin und auch Sachsen-Anhalt versucht vorne mitzuspielen.

Senior Man With Pill Bottles Using Laptop At Table.

4. Nutzenbasierter Content wird zum „muss“

Auch für Pharmamarketing wird 2017 ein Jahr mit großen Herausforderungen und Chancen. Der „empowered patient“ hat eine andere Herangehensweise an das Thema Gesundheit – und Pharmamarketing muss auf diese Bedürfnisse reagieren. Damit Pharmaunternehmen Patienten auch in diesem Jahr erreichen, müssen die Inhalte von Pharma „smart“ sein, d.h. einfach zu verstehen, interessant und „teilbar“ und vor allem dort zu finden, wo der Patient sucht. Deswegen wird eine Customer Journey wichtiger denn je: Patienten googlen bevor Sie zum Arzt gehen und informieren sich online zu Indikationen und Präparaten. Dort ist der beste Ort für Pharma, um mit Patienten in Kontakt zu treten und wir werden einen Zuwachs dieser Entwicklung in 2017 sehen. Patienten erwarten, dass diese Inhalte auf sie zugeschnitten und vor allem personalisiert sind. Patienten nutzen dazu größtenteils nicht mehr ihren Computer – wir leben in einer Mobile-First Welt und Content muss darauf angepasst werden. Auch im Bereich Pharmamarketing wird 2017 ein spannendes Jahr. Marketingabteilungen müssen es trotz gesetzlicher Einschränkungen schaffen, den richtigen Content für Patienten bereitzustellen.

Bonus: Mit selbstfahrenden Autos zu mehr Sicherheit auf der Straße

Dieser Trend passt zugegebenermaßen nur bedingt in den Bereich Gesundheit, ist aber Teil der Cleveland Clinic Liste für medizinische Innovation 2017 und deswegen wollen wir ihn auch Ihnen nicht vorenthalten. Sie prognostiziert, dass selbstfahrende Autos dieses Jahr ihren Durchbruch haben werden. Selbstfahrende Autos sind natürlich nichts Neues: Uber testet zum Beispiel einen selbstfahrenden Taxi-Service und auch Google Tochter Waymo rüstet Autos zu selbstfahrenden Modellen um.

Warum ist das für uns relevant? Werden selbstfahrende Autos Alltag auf den Straßen, wird das die Sicherheit erheblich verbessern. Weltweit kommt es zu etwa 1,2 Millionen Unfällen und in den USA beispielsweise lassen sich 94 % auf „Human Error“ zurückführen.

Etablieren sich selbstfahrende Autos und werden Lösungen für die ethischen Herausforderungen gefunden, dann hat das einen großen positiven Effekt auf die Gesundheitsrisiken von Patienten.

Welche Entwicklungen sehen Sie?

Welche Trends sehen Sie 2017 in den Bereichen Healthcare und Pharmamarketing? Welche wichtigen Entwicklungen fehlen Ihnen? Schreiben Sie uns eine Nachricht unter insights@coliquio.de oder hinterlassen Sie einen Kommentar.

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Lysander Fuchs
Lysander Fuchs
ist Redakteur bei coliquio Insights und berichtet über aktuelle Marketing-Themen und ihre Relevanz für den Gesundheitsmarkt.

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