Seit Inkrafttreten des „Digitale-Versorgung-Gesetzes“ Ende 2019, können Ärztinnen und Ärzte Apps auf Rezept verschreiben. Allerdings nur solche, die vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) geprüft und in das DiGA-Verzeichnis aufgenommen wurden. Mittlerweile sind das bereits 24. Drei interessante Neuzugänge haben wir für Sie unter die Lupe genommen.

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Mawendo: Training zuhause

Die Idee:

Anfang August dieses Jahres, wurde Mawendo vorläufig in das DiGA-Verzeichnis aufgenommen . Das „digitale Therapieprogramm für Zuhause“ bietet Patientinnen und Patienten für alle wichtigen orthopädischen Diagnosen und Beschwerdebilder spezifische Kraft-, Dehnungs- und Koordinationsübungen. Alle Trainingspläne basieren auf den Behandlungsleitlinien der medizinischen Fachgesellschaften sowie auf Forschungsergebnissen. Das Trainingsprogramm wird von Ärztinnen und Ärzten zusammengestellt und auf das Krankheitsbild der Patientinnen und Patienten individuell abgestimmt.

Zielgruppe:

Mawendo ist für Jugendliche (12-17 Jahre) und Erwachsene ab 18 Jahren zugelassen, die verschiedene orthopädische Diagnosen und Krankheitsbilder haben. Beispielsweise Hüft- und Kniearthrosen, Kniescheibeninstabilität, Bandscheibengeneration oder Tennisellenbogen.

Das Unternehmen hinter der App:

Hinter der App steht das gleichnamige Unternehmen, die Mawendo AG. Die Idee zur Entwicklung der DiGA entstand aus der Erfahrung, dass sich konsequentes Training und Bewegung positiv auf den Heilungsverlauf auswirken. Allerdings fehlten bislang oft Informationen darüber, welche Übung, wann, wie, in welchem Umfang und welcher Intensität gemacht werden soll. Mit der Idee, ein speziell auf die Bedürfnisse der Patienten abgestimmtes Therapieprogramm zu entwickeln, ergriffen die Gründer eine Chance, die Marktlücke zu füllen.

Was uns an der App überzeugt:

Durch die Erstellung des persönlichen Therapieprogramms sind Ärztinnen und Ärzte bei Mawendo fest mit eingebunden, dies erhöht das Vertrauen des Patienten in die digitale App. Darüber hinaus ist sie für eine Vielzahl von Diagnosen und Krankheitsbildern ausgerichtet. Patientinnen und Patienten können sich darauf verlassen, dass wissenschaftliche Forschungsarbeiten und Studien hinter den Therapieprogrammen stecken. Alle Quellen werden auf der Webseite genannt und können bei Interesse nachgelesen werden.

Hintergrundwissen DiGAs

Um eine App in eine DiGA zu verwandeln, müssen Unternehmen ihre Anwendungen einer Prüfung durch das BfArM unterziehen. Ist diese erfolgreich, wird die App in das „Verzeichnis erstattungsfähiger digitaler Gesundheitsanwendungen“ aufgenommen. Allerdings nur vorläufig, denn im ersten Jahr muss sich die App bewähren. Nur wenn der  Anbieter auch nach diesem Erprobungszeitraum nachweisen kann, dass seine App tatsächlich die geforderten „positiven Versorgungseffekte“ erfüllt, wird sie dauerhaft gelistet.

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Oviva Direkt: DiGA zur Behandlung von Adipositas

Die Idee:

Im Oktober wurde Oviva Direkt für Adipositas beim BfArM auf Erprobung zugelassen. Auf der Grundlage wissenschaftlich gestützter Methoden soll die App Übergewichtigen dabei helfen, ihre Ernährungsgewohnheiten umzustellen und langfristig abzunehmen. Während einer Laufzeit von 12 Wochen können in der App Mahlzeiten, aktuelles und angestrebtes Gewicht, sowie körperliche Aktivitäten erfasst werden. Oviva Direkt erstellt aus diesen Einträgen Tages- und Wochenübersichten, gibt Feedback, zeigt Fortschritte an und schlägt Aufgaben vor, die auf das individuelle Gewichts-Ziel zugeschnitten sind. Unterstützende Lernmaterialien sowie eine Chat-Funktion mit einer Ernährungsberaterin runden die Features der App ab.

Zielgruppe:

Patientinnen und Patienten über 18 Jahre, die eine Adipositas-Diagnose erhalten haben und einen Body-Mass-Index (BMI) zwischen 30 und 40 kg/m² haben. Außerdem müssen sie sich physisch und mental dazu in der Lage fühlen, eine App-basierte Behandlung selbständig auf einem Smartphone durchführen zu können.

Das Unternehmen hinter der App:

Die Oviva AG hat ihren Sitz in der Schweiz und einen weiteren Standort in Potsdam. Sie bezeichnet sich als das in Europa führende Digital-Health-Unternehmen im Bereich technologieunterstützter Therapie von ernährungsbedingten chronischen Krankheiten wie Typ-2-Diabetes und Adipositas. Gemäß seiner Vision will das Unternehmen bis 2025 rund 50 Millionen Menschen zu einem gesünderen Leben verhelfen.

Was uns an der App überzeugt:

Was positiv auffällt, ist der hohe Personalisierungsgrad, denn Vorschläge für bessere Ess- und Bewegungsgewohnheiten basieren auf den individuellen Einträgen der Userinnen und User. Wochenübersichten mit Kurven zur Gewichtsentwicklung sind motivierend – und wer Rückfragen hat, kann sich innerhalb der App mit einer Ernährungsberaterin austauschen. Da Adipositas in der Bevölkerung immer weiter zunimmt, trifft die App zudem auf einen großen Markt.

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Novego: Depressionen bewältigen

Die Idee:

Ebenfalls seit Oktober ist das Novego-Depressionsprogramm im DiGA-Verzeichnis gelistet. Damit sollen Betroffene dabei unterstützt werden, ihre depressiven Symptome zu bewältigen. Dazu müssen die Teilnehmenden zunächst einen Fragebogen ausfüllen, damit das Programm individuell auf sie abgestimmt werden kann. Mithilfe von Texten, interaktiven Übungen, Grafiken, Videos oder Musikstücken werden verschiedenste Impulse zur Problembewältigung gegeben. Außerdem sorgt der fortlaufende Programmüberblick mit persönlichen Fortschritten für Erfolgserlebnisse. Während der selbständigen Bearbeitung können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einmal pro Woche ein Psychologenteam kontaktieren. Für akute Krisen steht zudem eine 24h-Krisenhotline zur Verfügung.

Zielgruppe:

Erwachsene ab 18 Jahren mit verschiedenen depressiven Krankheitsbildern, angefangen von leichten depressiven Störungen, über mittelgradige Episoden, bis hin zu chronischen Depressionen.

Das Unternehmen hinter der App:

Hinter der App steht die IVPNetworks GmbH aus Hamburg. Bereits seit zehn Jahren bietet das Unternehmen psychologische Online-Unterstützungsprogramme für Menschen, die unter Depressionen leiden. Die reguläre Programmlaufzeit beträgt 12 Wochen, die DiGA „Novego: Depressionen bewältigen“ steht Teilnehmerinnen und Teilnehmern nach dieser Zeit für weitere 12 Monate zur Verfügung.

Was uns an der App überzeugt:

Hinter der App steckt jahrelange Erfahrung im Umgang mit Depressionen. Durch die Nutzungsmöglichkeit von 12 Monaten nach der regulären Programmlaufzeit können Inhalte gefestigt und dauerhaft in den Alltag integriert werden. Auch hier werden Patientinnen und Patienten nicht allein gelassen, sondern können das Novego-Psychologenteam kontaktieren. Die App eignet sich perfekt zur Überbrückung von Wartezeiten, begleitend zu einer Therapie oder als Anschlussangebot zur Stabilisierung.

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2 Kommentare
  • Tobias Quadt

    Kurz und auf den Punkt gebracht – vielen Dank!
    Die Abstimmung hätte eine UND- anstatt einer ODER-Abstimmung sein müssen 🙂 Über alle genannten Themen möchte ich gerne mehr erfahren. Halten Sie uns bitte auch darüber informiert, was mit den Apps nach den 12 Monaten Prüfzeit passiert.

  • Nathalie Haidlauf

    Hallo Herr Quadt,
    vielen Dank für Ihr nettes Feedback, über das wir uns sehr gefreut haben! Gerne werfen wir in den nächsten Monaten nochmal einen Blick ins DiGA-Verzeichnis, um weiterzuverfolgen, was aus den Neuzugängen wurde und welche weiteren Apps noch hinzukamen. Und das Themenspektrum „Digital Health“ werden wir in den nächsten Wochen auch weiter beleuchten, Sie dürfen also gespannt sein.

    Herzliche Grüße
    Nathalie Haidlauf

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Eva Hoppmann
Eva Hoppmann
berichtet für coliquio Insights über die wichtigsten Marketing-Trends und liefert Inspirationen für die Pharmakommunikation der Zukunft.