Digitalisierung, Remote Work, Work-Life-Balance – darüber wird schon seit Jahren geredet. Doch bisher gab es keinen zwingenden Grund, diese Themen im eigenen Unternehmen mit Nachdruck anzugehen. Dann kam Covid-19. Jetzt muss jedes Unternehmen digital werden und auf Homeoffice umstellen. Viele versuchen nun, vor allem technologisch nachzurüsten. Dabei fängt Digitalisierung ganz woanders an, nämlich bei den Mitarbeitern.

Digitalisierung – Was heißt das überhaupt?

Digitalisierung bedeutet Dematerialisierung durch Informationstechnologie. Aus dem Aktenstapel wurde das papierlose Büro. Aus dem CD-Stapel wurde zuerst Napster und dann Spotify. Aus der Tagung in einem anonymen Hotel wird jetzt gerade eine Videokonferenz im Zuhause der Teilnehmer. Und aus dem Großraumbüro wird ein remote-arbeitendes Netzwerk.

Die aktuelle Situation zwingt uns, unser Arbeitsmodell zu hinterfragen. Warum arbeiten wir eigentlich so, wie wir es tun? Warum gibt es Bürogebäude? Warum gibt es Kernarbeitszeiten? Warum müssen die Mitarbeiter da sein?

Traditionelle Arbeitsmodelle basieren auf Kontrolle

Menschen sind soziale Tiere – das persönliche Zusammensein schafft eine gemeinsame Identität und Beziehungen. Das spricht für unser traditionelles Arbeitsmodell. Ich behaupte aber, dass die meisten Unternehmen aus den falschen Gründen auf diesem Modell beharren.

Viele der Management-Praktiken kommen noch aus der Zeit der industriellen Revolution. Damals hat man die Leute in eine hochgradig vorbestimmte Umgebung gebracht, um die Verrichtungsweise, die Qualität und die Geschwindigkeit der erbrachten Arbeit genau kontrollieren zu können. Umso verständlicher ist es, dass die meisten Management-Praktiken davon ausgehen, dass der Mitarbeiter in seinem Grundzustand nicht selbst arbeiten möchte, sondern motiviert, genau angeleitet und kontrolliert werden muss. Daher kommen Incentive Systems und Einzelzielvereinbarungen.

Digitale Kultur gibt dem Menschen Freiheit zurück

Genau hier muss die Digitalisierung der Geistesarbeit, wie wir sie alle verrichten, ansetzen. Die digitale Kultur gibt dem Menschen das zurück, was ihm in der industriellen Revolution genommen wurde: Die Freiheit zur Gestaltung der eigenen Lebenszeit und zur Entfaltung des eigenen Schaffenswillens. Wer über Digitalisierung nachdenkt, muss zuerst dafür sorgen, dass Work und Life im eigenen Unternehmen keine Gegensätze sind. Die Arbeit muss ein lohnendes Investitionsvehikel für Lebenszeit sein.

Digitalisierung beginnt mit Vertrauen

Bevor man über Technologien in der Zusammenarbeit nachdenkt, muss man über Vertrauen in seine Mitarbeiter nachdenken. Und wer über die Motivation seiner Mitarbeiter nachdenkt, muss zuerst über seine eigene Fähigkeit nachdenken, eine Umgebung zu schaffen, die die natürliche Schaffenskraft der Leute fördert.

Viele werden jetzt sagen: Das mache ich sowieso schon. Aber wer hat sich nicht bei der Frage ertappt, als er alle Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt hat: Wie stelle ich jetzt sicher, dass sie auch wirklich arbeiten? Die Frage, die wir uns heute eigentlich stellen müssen, ist: Wie stelle ich sicher, dass meine Mitarbeiter nicht 12 Stunden nur am Schreibtisch sitzen? Was kann ich tun, damit die Leute nicht vereinsamen?

Digitale Kultur beginnt nicht mit Technologie, sondern mit Vertrauen in den Menschen.

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Martin Drees
Martin Drees
ist Gründer und Geschäftsführer von coliquio. Als Content Marketing Experte teilt er auf coliquio Insights sein Know-how für wirkungsvolle Arzt-Kommunikation.