„Serious Games“ oder „Games with a purpose“ sind Spiele mit einem Nutzen für die reale Welt. Sie werden unter anderem für die medizinische Forschung und zur Behandlung von Patienten eingesetzt. Die Entwickler dieser Spiele haben den Ehrgeiz, dem Spieler ein immersives Erlebnis zu ermöglichen.

‚Immersio‘ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Eintauchen“ oder „Vertiefen“. Besonders die virtuelle Realität, kurz VR, erlaubt dem Spieler das Versinken in eine komplexe und schlüssige Welt, die sich als glaubwürdige Geschichte inmitten einer detailreichen Landschaft abspielt. Diese Täuschung des Geistes gelingt den Spiele-Entwicklern inzwischen so gut, dass man sie auch zum Nutzen der menschlichen Gesundheit erfolgreich einsetzt.

  • In gerade einmal zehn Jahren soll VR-Technologie allgegenwärtig sein und eine so vollständige multi-sensorische Stimulation bieten, dass die Systeme Halluzinationen auslösen können, die die bekannte Realität überlagern oder verändern.

    Aus einer Befragung von Wissenschaftlern der Microsoft-Forschungsabteilung Prognose der Virtual Reality
In diesen 5 Bereichen verbessern Games die Gesundheitsversorgung
  • Bei der Behandlung von Patienten
  • In der medizinischen Ausbildung
  • Als Training für Chirurgen
  • In der medizinischen Forschung
  • Als psychosoziale Begleitung von Patienten und Angehörigen

1. ‚Snowworld‘ lindert Schmerzen eines Afghanistan-Soldaten

Für Personen mit starken Verbrennungen wurde das Schmerzlinderungsspiel „SnowWorld“ konzipiert. Dank einer eisigen Umgebung erfährt der Patient körperlich und mental Linderung. Das funktioniert vor allem mit VR-Headsets, die das komplette Sichtfeld abdecken, da so das Eintauchen in die virtuelle Welt für das Gehirn besonders glaubhaft ist. Patienten geben an, durch die Simulation weniger Schmerz zu empfinden. Aber nicht nur subjektiv: Gehirnsignale zeigten im Monitoring einen niedrigeren Stresspegel der Patienten an. In einer Filmdokumentation schildert ein in Afghanistan verletzter US-Soldat, wie genau ihm das Computerspiel hilft:

2. Lernen durch Erfahrung für angehende Ärzte

Gemeinsam mit dem Royal College of Surgeons in Ireland entwickelt ImmersiveVREducation eine Lehrstunde der besonderen Art. Die Medizin-Studenten übernehmen als Spieler die Kontrolle über einen Reanimationsraum und müssen als junge Ärzte Entscheidungen über Leben und Tod ihrer Patienten treffen. Das Spiel simuliert die stressigen Bedingungen, unter denen sie als Ärzte später Trauma-Patienten im wirklichen Leben sehen und bereitet sie so auf den Berufsalltag vor. Das Game wird laut Hersteller für Besitzer des Oculus GearVR kostenlos auf dem Oculus GearVR App Store zur Verfügung gestellt.

3. Gamer revolutionieren die Forschung

Das Computerspiel ‚Foldit‘ schafft etwas, das weder Menschen noch Computer alleine erreicht haben. Es optimiert Proteine. Gamer starten ohne Vorkenntnisse und wirken bei der Optimierung von Proteinen mit. Ziel des Spiels ist es, möglichst gut gefaltete Proteine herzustellen, die sich wie in der Natur im Energieminimum befinden. Anhand von ‚Tutorialpuzzles‘ lernen die Gamer Schritt für Schritt, eine graphische Entsprechung der Proteinstruktur zu manipulieren und zu falten. Die Kombination aus menschlichem Vermögen, Crowdsourcing und verteiltem Rechnen führt zu großen Erfolgen. Bei einem Protein-Vorhersage-Wettbewerb im Jahr 2008 schnitt Foldit als Teilnehmer trotz unerfahrener Spieler und unausgereifter Werkzeuge siegreich ab: Es erlangte in 50 % der Fälle eine Drittplatzierung und einmal den Spitzenplatz. Von Computern berechnete Modelle wurden allesamt von Foldit geschlagen. Im September 2011 entschlüsselte Foldit dann das monomerische Protein M-PMV-Protease, das bei Rhesusaffen AIDS auslöst (Mason-Pfizer monkey virus retroviral protease). Im Januar 2012 gelang Foldit-Spielern die Neugestaltung eines Proteins mit einer 18-fach höheren Aktivität als der des Originals.

4. Wii-U-Game kann Chirurgen-Feinmotorik verbessern

Das Spiel „Underground“ wurde entwickelt, um die motorischen Fähigkeiten von Chirurgen, die laparoskopische Chirurgie am Becken oder Bauch durchführen, zu trainieren. Das Spiel ist eine Reaktion auf einen holländischen Gesundheitsbericht, der feststellte, dass viele Fehler in der Laparoskopie aufgrund der fehlenden Ausbildung der Chirurgen in motorischen Fähigkeiten gemacht wurden. Das Spiel verbessert die Fähigkeiten, indem es typische Herausforderungen von Games nutzt und sich dabei der Nintendo Wii Motion Plus-Controller bedient.

5. Serious Games – als psychosoziale Begleitung

“Papa & Yo“ handelt von einem Jungen und einem Monster. Das Game beginnt mit Szenen des Jungen Quico und seines alkoholkranken Vaters mit den Worten „Als ich ein Kind war, war mein Vater ein Monster“. Im Verlauf des Spiels freundet sich der Junge Quico mit einem nach Fröschen süchtigen Monster an, das sich nach dem Verzehr der Frösche in einen gefährlichen Gegner verwandelt. Quico möchte das Monster schützen und kann nicht verhindern, dass das Monster zwei seiner besten Freunde tötet. Quico erkennt, dass Monster eine Allegorie für seinen alkoholkranken Vater ist, dass er ihm nicht helfen kann und dass er sich von ihm lösen muss.

Zusammenfassung

Games stehen manchmal im Verdacht, unsere Gesundheit zu schädigen, indem sie uns dazu bringen, beim Spielen am Computer die Welt um uns her zu vergessen, kein Essen zu uns zu nehmen und keine echten Menschen mehr zu treffen. „Serious Games“ oder „Games with a purpose“ nutzen aber gerade diese Sogwirkung von Games um zu forschen, zu behandeln und zu trainieren. Selbst Gelähmte können mithilfe der Illusion, die Games erzeugen, erste Bewegungen ihrer Muskeln hervorrufen, leichter als es ihnen mit reiner Physiotherapie gelingen würde. Das Angenehme schließt eben das Nützliche nicht aus.

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Caterina Priesner
Caterina Priesner
ist PR Manager bei coliquio und schreibt für coliquio-insights über Wissens- und Lesenswertes.