Haben Sie schon einmal einen Wikipedia-Artikel geschrieben? Teilen Sie die Facebook-Posts Ihrer Lieblingsmarken? Gratulieren Sie Bekannten auf LinkedIn zum neuen Job? Es kann gut sein, dass Sie gerade alle drei Fragen mit Nein beantwortet haben – und die genannten Kanäle dennoch gerne nutzen. Damit sind Sie nicht allein. In den meisten Online Communities stammt der Großteil der Inhalte von 1 % der Nutzer. Ich habe mich einmal umgehört, wie es um die Aktivität im Ärztenetzwerk coliquio bestellt ist und mit meinem Kollegen Markus Munk, Chief Product Officer bei coliquio, gesprochen. Er hat mir erklärt, wie wir die Aktivität der Arzt-Community messen, wie zufrieden er mit dem Status Quo ist und wo noch Potentiale liegen.

Kannst du unseren Lesern kurz erklären, welche Rolle die 90-9-1-Regel bei coliquio spielt?

Markus Munk: Jakob Nielsen hat vor über 10 Jahren die 90-9-1-Regel aufgestellt, um das Nutzerverhalten in Online Communities zu charakterisieren. Sie besagt, dass in einer gesunden Community die meisten aktiven User nur Leser sind. Das heißt 90 % bringen sich nicht selbst in die Community ein. Ein knappes Zehntel sind User, die interagieren. Und nur 1 % sind sogenannte Power User, die sich sehr häufig einloggen und aktiv kommentieren usw. Die 90-9-1-Regel ist zwar schon einige Jahre alt, trotzdem hat die Regel heute noch Gültigkeit im Community Management. Uns hilft sie dabei, das Nutzerverhalten der Ärzte besser zu verstehen und Trends abzuleiten.

Wenn wir die Regel heranziehen, steht coliquio gut da: wir haben 52 % User, die sich aktiv beteiligen.

Markus Munk: Ja, wir haben eine überdurchschnittlich aktive Community. Jeder zweite Arzt bringt sich aktiv ein. Sei es, indem er Patientenfälle einstellt, Fragen beantwortet, kommentiert, likt oder an kleinen Umfragen teilnimmt. Jeder siebte Arzt ist sogar Power User, das heißt, er beschäftigt sich sehr intensiv mit coliquio. Wir haben Power User, die mehrere hundert Kommentare pro Monat schreiben. Interessant sind für uns aber weniger die konkreten Zahlen, sondern der langfristige Trend. In den letzten zwei Jahren hat sich die Zahl unserer Power User verdoppelt. Ein Fünftel hat sich vom stillen Leser zum aktiven User entwickelt. Daran können wir ablesen, dass wir die richtigen Dinge tun, um die User zu aktivieren und dass coliquio für die Ärzte immer attraktiver wird.

Die Zahlen sagen aber auch, dass jeder zweite Arzt nur liest – bedeutet das, dass die Inhalte auf coliquio für viele nicht relevant genug sind?

Markus Munk: Nein, überhaupt nicht. Manche Leser nutzen coliquio einfach als Informationsquelle und lesen sich Wissen an. Wo sie früher ein Buch aufgeschlagen haben, schauen sie heute bei coliquio rein. Ich nutze Facebook zum Beispiel auch so, dass ich mich zwar dafür interessiere, was mein Umfeld postet, aber selbst kaum aktiv bin, das heißt ich gehöre zu den 80 % der weniger Aktiven. Und das machen eben viele so. Deshalb müssen wir realistisch sein, dass wir vermutlich nie 100 % Nutzer haben werden, die aktiv kommentieren. Ich weiß auch aus dem Gespräch mit manchen Ärzten, dass sie coliquio zwar gerne nutzen, Diskussionen mitverfolgen und eine klare Meinung haben, aber noch nicht bereit sind, sich zu äußern. Da müssen wir Anreize schaffen und die Ärzte dazu bringen, ihr Know-how zu teilen.

Wie könnten solche Anreize aussehen?

Markus Munk: Denkbar ist zum Beispiel eine Art Belohnungssystem. Nutzer, die sehr aktiv sind, bekommen extra Features oder eine Art Badge, der an ihr Profil angeheftet wird. So können sich User einen Status erarbeiten, der für die Anderen sichtbar ist. In Ansätzen nutzen wir das auch schon und werden das weiterverfolgen.

Woran wir außerdem permanent arbeiten ist das Nutzererlebnis. Wenn es uns gelingt, dass der Arzt die gewünschten Infos schnell findet und gerne auf coliquio unterwegs ist, wird er eher bereit sein, sich zu engagieren.

Warum ist die Interaktion der User eigentlich so wichtig?

Markus Munk: Es ist unser Anspruch, denjenigen Ärzten, die Fragen und Patientenfälle haben, die sie allein nicht lösen können, eine Bühne zu geben. Gleichzeitig wissen wir ja, dass viele Ärzte eine Expertise in bestimmten Bereichen haben. Und genau die müssen wir dazu bewegen, ihr Fachwissen weiterzugeben und ihren Erfahrungsschatz mit anderen zu teilen. Es geht uns nicht einfach darum, möglichst viele aktive Ärzte zu haben – das Ziel ist es, dass ein Wissensaustausch stattfindet.

Das heißt, ohne den Austausch der Ärzte würde coliquio nicht funktionieren?

Markus Munk: Ganz genau. Interaktion ist kein Selbstzweck, sondern es geht um Wissenstransfer. Das ist der eine Aspekt. Der andere ist: wenn die Ärzte mit den redaktionellen Inhalten interagieren, können wir unsere Qualität steigern. Wenn unsere Redaktion einen Beitrag veröffentlicht, erfährt sie durch Likes und Kommentare: wie gut ist das, was wir produzieren? Was interessiert die Ärzte und wo gibt es noch offene Fragen? Interaktion spielt also eine ganz zentrale Rolle bei der Erfolgsmessung.

Welche Methoden nutzt ihr über die 90-9-1-Regel hinaus, um die Lebendigkeit der Community zu messen?

Markus Munk: Da haben wir eine ganze Reihe von KPIs, die wir ständig im Auge behalten. Grundsätzlich ist die Zahl der Wiederkehrer eine wichtige Größe für uns. Also wie viele Ärzte waren im letzten Monat eingeloggt? Wie viele an mindestens 10 unterschiedlichen Tagen pro Monat? An der Retention Quote sehen wir, dass die Nutzer regelmäßig reinschauen und wissen wollen, was sich auf coliquio tut. Relevant ist auch: wie viele Fragen werden in einem bestimmten Zeitraum eingestellt, wie viel wird kommentiert und wie gut ist die Teilnahme an Wissenstests und Umfragen. An Daten mangelt es uns nicht.

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Nathalie Haidlauf
Nathalie Haidlauf
berichtet für coliquio Insights über die wichtigsten Marketing-Trends und liefert Inspirationen für die Pharmakommunikation der Zukunft.

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