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Vor ungefähr fünf Jahren habe ich zum ersten Mal von Bitcoins gehört. Damals hat mein Freund Leo – ein richtiger Nerd – mir erzählt, dass er sich sieben Bitcoins gekauft hat und jetzt auch Miner ist. Er schien völlig überzeugt, während ich erstmal kein Wort verstand. „Na, diese Kryptowährung. Die Entwickler von Bitcoins nutzen dafür die Technologie einer Blockchain!“ sagte Leo. „Aha.“ Ich verstand immer noch nicht.

Deshalb erklärte er mir, was eine Blockchain ist:

Blockchain kurz erklärt

„Blockchain ist eine Schlüsseltechnologie, bei der die Daten aus allen ‚Transaktionen’ dezentral auf allen Rechnern gespeichert werden – fast wie eine Datenbank. Eine Blockchain erlaubt es mehreren Parteien zusammenzuarbeiten, ohne dass sie sich kennen und vertrauen müssen. Ermöglicht wird dies durch ein kryptografisches Verfahren. Wird eine neue Transaktion ausgeführt, muss die Mehrheit der anderen Teilnehmer in der Blockchain die Legitimität dieser Transaktion verifizieren. Das machen die sogenannten Miner – also Mittelsmänner – die dafür auch prozentual entlohnt werden. Danach wird die Transaktion auf allen Konten der Teilnehmer gespiegelt. Die Technologie kommt ohne eine dritte Partei aus und ist wesentlich schwieriger zu hacken. Wichtig zu wissen ist aber, dass Blockchain keine singuläre Technologie ist, sondern auf verschiedene Technologien, Techniken und Konzepten aufbaut.“

Es scheint, dass Leo mit seiner flammenden Rede vorerst Recht behält: Bitcoins sowie Blockchain als Technologie setzen sich durch. Seine sieben Bitcoins, gekauft für unter hundert Euro, sind heute rund 100.000$ wert. Wichtiger als die Wertsteigerung der Bitcoins ist aber, dass immer mehr Menschen der Blockchain als Technologie vertrauen.

Heute geht man davon aus, dass die Funktionsweise der Blockchain die Wirtschaft ähnlich stark beeinflussen wird wie das Internet unsere Kommunikationsweise. So findet die Blockchain bereits in vielen Branchen und Bereichen erste Anwendung. Auch das Gesundheitswesen könnte sich dadurch grundlegend verändern, wie eine Studie von Deloitte zum Einsatz der Technologie im deutschen Gesundheitswesen zeigt. Dieser Artikel zeigt konkret auf, wie man die Blockchain-Technologie für das Gesundheitswesen nutzen kann und in welchen Anwendungen Potenzial steckt.

Einsatzmöglichkeiten von Blockchain im Gesundheitswesen

Im Zusammenspiel mit anderen innovativen Technologien schafft die Blockchain die Infrastruktur für eine neue, digitale Gesundheitsökonomie.

Blockchain ist im Gesundheitswesen deswegen so interessant, weil sie dezentral organisiert ist und Authentizität und Integrität gewährleistet – das ist besonders bei heiklen Themen wie Gesundheitsdaten relevant. Die drei Hauptvorteile sind also Transparenz, Demokratisierung und Datensicherheit. Deshalb könnte der Gesundheitsmarkt nach dem Finanzsektor die Branche sein, die am zweitstärksten von Blockchain profitiert. Und zwar in den folgenden Bereichen:

1) Organisation elektronischer Patientenakten

Die elektronische Patientenakte gibt es bereits – wegen Datenschutzbedenken wird sie bisher aber nur verhalten genutzt. Sie über Blockchain zu organisieren klingt vielversprechend: In der Blockchain selbst werden nämlich keinerlei Gesundheitsdaten gespeichert, diese verbleiben auf den Systemen der Arztpraxen, Kliniken und anderen Leistungserbringer. Die Blockchain bildet lediglich einen Index, der auf die jeweiligen Gesundheitsdaten verweist. So wäre die Datenintegrität gewährleistet und Patienten könnten selbst die Zugriffsberechtigungen verwalten.

In Estland ist genau das seit 2016 Realität: Dienstleister ist dafür das Unternehmen KSI (Keyless Signature Infrastructure), das hundertprozentige Genauigkeit bei abgerufenen Patientenakten zusichert. Auch das MIT Media Lab hat mit „MedRec“ ein System zur Sicherung und Verwaltung der elektronischen Patientenakte entwickelt, das auf Blockchain basiert.

2) Die Blockchain als Identitätsnachweis

Mit Blockchain können Identitätsnachweise im Netz manipulationssicher erbracht werden – so wird sichergestellt, dass nur authentifizierte Nutzer auf hochsensible Gesundheitsdaten zugreifen können.

Da – ähnlich wie bei der elektronischen Patientenakte – in der Blockchain keine Daten zur Identifizierung gespeichert werden, sondern nur die Zugänge, kann der Identitätsnachweis weder blockiert noch missbraucht werden. Ursprünglich stammt die Anwendung aus dem Bereich E-Government, wo die Blockchain den Zugang zu den ID-Informationen verwaltet. Der Zugang erfolgt dann über den menschlichen Fingerabdruck.

Die Blockchain als Identitätsnachweis ist für den Gesundheitssektor als Ergänzung zur elektronischen Patientenakte spannend, weil sie gesicherten Zugriff gewährleistet.

3) Sicherung von Medizinprodukten

Großes Potenzial hat die Technologie auch im Bereich der Remote-Steuerung von Medizinprodukten, wie beispielsweise von Herzschrittmachern oder Insulinpumpen. Momentan können diese in Notfällen per passwortgeschützter Software von Medizinern gesteuert werden. Dennoch können Hackerangriffe nie ganz ausgeschlossen werden. Durch die Verwendung einer Blockchain wäre das aber fast unmöglich. Die Remote-Steuerung von Medizinprodukten via Blockchain wird von einigen Herstellern bereits anhand von Pilotprojekten erforscht. Möglich ist diese Anwendung durch die dezentrale Speicherung der Zugangsdaten. So könnte Patienten mehr Sicherheit geboten werden.

4) Gefälschte Arzneimittel auf dem Markt reduzieren

Weltweit, aber auch in Deutschland, gibt es Probleme mit gefälschten Arzneimitteln. Die Blockchain kann auch hier als konkrete Lösung genutzt werden, indem sie eine Arzneimittel- Produktkette abbildet und diese manipulationssicher macht.
Zur Überwachung der Kühlkette wird Blockchain bereits eingesetzt:
Ein Sensor des Schweizer Start-ups Modum überwacht die Temperatur während des Transports von pharmazeutischen Produkten und speichert die Überwachungsdaten in einer Blockchain. So kann nach dem Transport für jedes einzelne Medikament sicher dargestellt werden, dass die Kühlkette nicht unterbrochen wurde und die Produktqualität zum Wohl der Patienten gewährleistet werden.

Das sagen Führungskräfte aus dem Gesundheitssektor

Spannend ist an dieser Stelle der Blick in die Branche und die Einschätzung von Führungskräften aus dem Gesundheitssektor. Laut dem Forschungsinstitut Black Book Research, das dazu 88 Unternehmen und Kostenträger aus dem US-Gesundheitssektor sowie 276 IT-Spezialisten befragt hat, sind 90 % der Manager und IT-Spezialisten davon überzeugt, dass Blockchain als Technologie dabei helfen kann, Spannungen zu lösen oder zu minimieren, welche die Bereiche Aufzeichnung, Datenaustausch und Privatsphäre betreffen. Die Technologie findet also Anklang. Laut Studie haben allerding lediglich 14 % der befragten Stakeholder mit konkreten Vorhaben bzw. der Implementierung begonnen (Stand: Q3/2017).

Unsere Einschätzung: Setzt sich Blockchain durch?

Blockchain ist derzeit eines der heißesten Buzzwords. Obwohl die Technologie noch in den Kinderschuhen steckt, hat sie schon heute das Potenzial, Herausforderungen im Gesundheitssystem zu lösen.

Dennoch steht Blockchain auch immer wieder in der Kritik: Momentan kann niemand mit Sicherheit sagen, in welchem Umfang das Potenzial genutzt werden kann, denn wir sprechen hier noch nicht von einer ausgereiften Technologie, sondern stehen erst am Anfang.

Darin liegt jedoch die Chance, den Praxiseinsatz der Blockchain mitzugestalten – mit dem Ziel, dass die Technologie am Ende zum Nutzen des Patienten eingesetzt werden kann.  Insgesamt ist Blockchain eine Technologie mit großem Potenzial und konkreten nützlichen Anwendungsbereichen für verschiedene Branchen und insbesondere im Gesundheitssystem.

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Amira Sabeur
Amira Sabeur
ist Redakteurin bei coliquio Insights und berichtet über aktuelle Marketing-Themen und ihre Relevanz für den Gesundheitsmarkt.

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