Es liegt ein ereignisreiches Jahr mit Durchbrüchen im Gesundheitswesen vor uns. 2018 ist das Jahr, in welchem technische und regulatorische Hindernisse abgebaut werden und die Digitalisierung Einzug in die breite medizinische Versorgung halten kann. Hier haben wir die heißesten Healthcare-Trends für Sie:

1. Fernbehandlung setzt sich durch – jetzt aber richtig!

Der Wunsch, die Behandlung des Patienten über die Praxis und das Krankenhaus auszudehnen, besteht schon länger. Doch für 2018 prognostiziert die Cleveland Clinic hier Durchbrüche.

Nach vielen Jahren des Experimentierens und langsamen Wachstums sei jetzt der Zeitpunkt gekommen, an dem die finanziellen, und technischen Hürden weit genug abgebaut werden können, um erhebliche Fortschritte in diesem Bereich zu sehen. Auch in Deutschland könnte das Fernbehandlungsverbot im Mai 2018 gekippt werden. Die technischen Hürden sind inzwischen größtenteils abgebaut. Die ortsunabhängige Behandlung wird voraussichtlich bald ein selbstverständlicher Teil der Gesundheitsversorgung.

2. Patienten-Daten aus Wearables werden (endlich) erwachsen

Schon wieder? Wearables in einer Trend-Liste? Zugegeben, dieser Trend ist nun wirklich nicht neu. Seit Jahren werden Kalorien aufgezeichnet, Schritte gezählt und die Herzfrequenz gemessen… ernstgenommen werden die Daten aber nicht. Zu ungenau und zu anfällig für Fehler.

Genau das wird sich 2018 ändern. Wearables gehen den Schritt aus dem Wellness-Bereich heraus und werden zu Geräten, die in klinischen Studien und im Remote-Monitoring von Patienten eine Rolle spielen. Die Qualität der Sensoren nimmt weiter zu; so können sie auch in der Diagnose einen größeren Platz einnehmen.
Die Vorteile für den Arzt und die Patienten liegen dabei auf der Hand: Ärzte müssen sich nicht mehr allein auf die subjektive Wahrnehmung ihrer Patienten verlassen und können sich ein besseres Bild von den Ursachen und Zusammenhängen bestimmter Krankheitsbilder machen.

3. Blockchain wird zur disruptiven Technologie

Dieser Trend hat bisher noch sehr wenig mit Healthcare zu tun. Kommt aber noch! Kennen Sie Bitcoin? Diese Kryptowährung mit den interessanten Preisschwankungen und enormem Wachstum in den letzten Monaten? Blockchain ist die Technologie hinter Bitcoin und hat auf den ersten Blick nichts mit Healthcare zu tun. Dennoch könnte sie jede Branche grundlegend verändern, da sie die Notwendigkeit für einen Mittelsmann zwischen Verträgen eliminiert.

Blockchain ist eine Technologie, bei der die Daten aus allen „Transaktionen“ dezentral auf allen Rechnern gespeichert sind. Wird eine neue Transaktion ausgeführt, muss die Mehrheit der anderen Teilnehmer in der Blockchain die Legitimität dieser Transaktion verifizieren. Danach wird die Transaktion auf allen Konten der Teilnehmer gespiegelt. Die Technologie kommt ohne eine dritte Partei aus und ist wesentlich schwieriger zu hacken.

Das Chart zeigt, wie potentielle Anwendungsgebiete für das Gesundheitswesen aussehen könnten:

4. Schnellere Impfstoff-Entwicklung rettet Leben

Impfen rettet Leben – abgesehen von wenigen Impfgegnern ist dies das allgemeine Verständnis. Experten gehen von 21 Millionen Krankenhausaufenthalten und 732.000 Todesfällen aus, die in den letzten 20 Jahren durch Impfungen hätten verhindert werden können.

Gleichzeitig ist die Entwicklung neuer Impfstoffe kostspielig und langwierig: Bis zu 200 Millionen Dollar und 10 Jahre kann diese in Anspruch nehmen.

Die Ausbrüche von Ebola und Zika in den letzten Jahren haben gezeigt, dass wir diese Zeit nicht haben. Um Epidemien gut einzugrenzen, braucht es eine höhere Entwicklungsgeschwindigkeit. Die Cleveland Clinic erwartet für das Jahr 2018 große Durchbrüche in der Entwicklung neuer Impfstoffe.

Die komplizierten Wirkstoff-Tests mit Hühnereiern könnten durch innovative Methoden mit Tabak-Pflanzen, Insekten und Nanopartikel-Systemen abgelöst werden.

Eine weitere Herausforderung beim Thema Impfen ist auch die Darreichung. Seit 2006 befindet sich z. B. der Rotavirusimpfstoff auf dem Markt. Allerdings sterben jedes Jahr 215.000 Kinder, weil Eltern sie nicht impfen lassen.  Neue (angenehmere) Formen der Darreichung könnten das ändern!

Im letzten Jahr erreichte ein oraler Rotavirus-Impfstoff positive Phase-III-Ergebnisse. Auch weitere Formen der Einnahme wie Chips oder auch Pflaster befinden sich in der Entwicklung.

5. „Control Rooms“ verbessern die Versorgung im Krankenhaus

Krankenhäuser sind ein hektischer Ort mit einer ständigen Geräuschkulisse. Ärzte und Krankenhauspersonal sind dieser Reizüberflutung jeden Tag ausgesetzt und Experten beobachten mit wachsendem Unbehagen eine Abstumpfung gegenüber lebenswichtigen Signalen der Geräte. So werden laut der Cleveland Clinic 44 % der Herzstillstände nicht rechtzeitig bemerkt, weil das Krankenhauspersonal wichtige Signale nicht mehr wahrnimmt.

Um dieser Entwicklung entgegen zu wirken, bedienen sich Krankenhäuser jetzt einer neuen digitalen Möglichkeit:

Monitoring-Daten von medizinischen Geräten, High-Definition-Kameras und von anderen Quellen werden an eine externe Kommandozentrale gesendet. Dort werten Algorithmen und medizinisches Personal alle Daten aus, filtern diese und stellen sicher, dass das Krankenhauspersonal auf lebenswichtige Daten reagieren kann.

Krankenhäuser, die diese Methode bereits im Einsatz haben, erreichen eine 93-prozentige Überlebensrate von Patienten bei Herzstillständen.

6. Verbesserte OP-Nachsorge sorgt für weniger Zweit-OPs

Wie wird die schnelle Genesung von Patienten nach einer OP sichergestellt? Lange Zeit waren sich Ärzte sicher: Vor dem Eingriff nichts essen, danach so lange wie möglich im Bett bleiben und Tabletten gegen die Schmerzen nehmen.

In den USA ist allerdings die Zahl der Wiederaufnahmen nach OPs signifikant gestiegen und der Missbrauch von Medikamenten ist ein riesiges Problem.

Ein neues Vorgehen bei der Nachsorge von Operationen, die ERAS-Methode (Enhanced Recovery after Surgery) wird 2018 einen wichtigen Raum einnehmen. Sie limitiert Opioide, ermutigt regelmäßige Spaziergänge nach der OP und unterstützt Patienten mit einem speziellen Ernährungsplan.

Eine Studie mit 9.000 Patienten brachte es auf ein Drittel weniger chirurgische Komplikationen und die Verschreibung von Opioiden wurde um 21 % gesenkt.

7. Neues System vermeidet falsche Dosierung bei Typ-1-Diabetes

Nächte sind für Eltern von Kindern mit Typ-1-Diabetes besonders nervenaufreibend. Auch wenn sie Glucose-Tests durchgeführt, Insulin-Spritzen verabreicht und auf die Ernährung geachtet haben; die Bauchspeicheldrüse des Kindes kann in jedem Moment Probleme machen und es kann zu schwerwiegenden Komplikationen kommen.

Bis jetzt haben Typ-1-Diabetes-Patienten mit einem „offenen System“, bestehend aus einer Insulin-Pumpe und einem Blutzucker-Messgerät, gearbeitet. Abhängig vom aktuellen Blutzucker-Wert musste der Patient die benötigte Menge an Glukose bestimmen und dann an der Pumpe einstellen.

In den USA ist jetzt ein geschlossenes System zugelassen, bei dem der Patient aus der Gleichung verschwindet, indem das System selbständig den Blutzucker misst und die Insulin-Dosis anpasst.

Was sagen Sie? Welche Trends in Healthcare werden uns 2018 begleiten? Welche sind vielleicht auch einfach nur heiße Luft? Stimmen Sie unseren Trends zu oder sehen Sie andere? Ich freue mich über Ihre Einschätzung im Kommentar-Feld!

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Lysander Fuchs
Lysander Fuchs
ist Redakteur bei coliquio Insights und berichtet über aktuelle Marketing-Themen und ihre Relevanz für den Gesundheitsmarkt.

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Luise Recktenwald

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