Interdisziplinärer Austausch: Innere Medizin, Anästhesiologie, Psychiatrie und Psychotherapie, Allgemeinmedizin, Neurologie, Pharmakologie

Eine 24-jährige depressive Patientin hat nach zwei Selbstmordversuchen und mehreren stationären Aufenthalten in der Psychiatrie mit Sertralin (50 bis 100 mg) endlich ein Medikament gefunden, das die depressive Symptomatik deutlich lindert. Leider hat sie unter dem Medikament Krampfanfälle entwickelt. Der Kollege fragt, ob eine Umsetzung auf Fluoxetin sinnvoll ist, oder das Auftreten von epileptischen Anfällen Substanzgruppen-spezifisch ist.

Mehrere Teilnehmer vermuten, dass die Patientin möglicherweise eine überhöhte Dosis eingenommen hat oder ein „Slow-Metabolizer“ ist. Sie schlagen die Bestimmung der Plasmakonzentration vor. Diese war aber im unteren Normbereich, schreibt der betreuende Kollege. Weiterhin wird darauf verwiesen, dass auch der Entzug von Benzodiazepinen – die Patientin nimmt bei Angststörungen zusätzlich Lorazepam (Tavor) – Krampfanfälle auslösen kann.

Fluoxetin kann als Nebenwirkung ebenfalls Krampfanfälle auslösen, schreibt ein Teilnehmer. Als mögliche Alternativen werden Citalopram und Escitalopram genannt. Außerdem wird empfohlen, eine gründliche neurophysiologische Untersuchung zur Abklärung der Krampfanfälle durchzuführen.

Haben Sie noch eine Idee, auf welches Antidepressivum man die Patientin umstellen könnte?

Zur ausführlichen Nachlese –  Original-Fragestellung des Arztes der Inneren Medizin:
„Patientin 24J, internistisch gesund, fiel initial durch spontanen Suizidversuch auf. Alles sei „leer, dunkel und so sinnlos“, Grübelzwänge und Angstgefühle.Es folgten stationärer Akut-, anschließend Langzeit- Aufenthalt in psychiatrischer Fachklinik. Nachfolgende ambulante Behandlung mit Valdoxan/Psychotherapie/Sport: Nach 3 Monaten keine Besserung der Depression. Umstellung auf Venlafaxin 75 und 150 mg: kein Erfolg: zweiter Suizidversuch 50 Tbl. Venlafaxin wegen Erbrechen überlebt : Erneuter stationärer Aufenthalt, intensive Gesprächstherapie, Umstellung auf Sertralin 50 mg, Panikattacken werden mit Tavor koupiert.Hierunter deutliche Besserung der Depression. Eigenständige Dosis-Steigerung auf 100 mg wegen der erstmals erlebten positiven Wirkung der Medikation. Unter 100 mg Sertralin leider Serotonin-Syndrom mit Unruhe, Zittern, Herzasen, Schwitzen Konzentrationsstörung etc.
Die verordnete Dosisreduktion auf 50 mg wird nur kurzfristig eingehalten, dann eigenständig wegen hervorragender antidepressiver Wirkung wieder auf 100 mg gesteigert: Es folgt Erstmanifestation Grand Mal Epilepsieanfall in der Bahn auf dem Weg zur Arbeit.
Stationär internistischer Aufenthalt : Kardiovaskulär oB, MRT Schädel oB. Absetzen von Sertralin wird von der Patientin verweigert wegen der überlebensnotwendigen antidepressiven Wirksamkeit. Dosis-Halbierung auf 50 mg Sertralin: Darunter dennoch erneuter GM Anfall während eines Telefonates. Nun schlägt die behandelnde Psychiaterin statt Sertralin eine Therapie mit Fluoxetin vor. (ebenfalls SSRI, ebenfalls unter NW: Krampfanfälle aufgeführt)
Frage ist das richtig?
Sind die NW unter SSRI Substanzklassen- spezifisch oder Substanz- spezifisch?
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Christine Stegmayer
Christine Stegmayer
verantwortet bei coliquio das Eventmanagement und die Pressearbeit. Von Hause aus Juristin, im Herzen gelebte Marketerin – mit diesem Experten-Mix versorgt sie Pharma-Entscheider regelmäßig mit wertvollen Insights.