Seit Monaten dreht sich alles um Covid-19. Bereits seit Bekanntwerden des Erregers arbeiten Pharmaunternehmen mit Hochdruck an Medikamenten und Impfstoffen gegen das Virus. Wir haben für Sie zusammengetragen, wie sich die Initiativen im Kampf gegen Covid-19 inzwischen entwickelt haben und welche Neuigkeiten es gibt:

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Impfstoffe zum Schutz vor Covid-19

Die Zahl der Projekte zur Impfstoffentwicklung hat sich in den letzten vier Wochen verdoppelt: Inzwischen sind 131 Impfstoffprojekte angelaufen, davon sind 118 bereits bei der Weltgesundheitsorganisation WHO verzeichnet (Stand vom 15.05.2020).

Ende März gab Johnson & Johnson die Auswahl eines führenden COVID-19-Impfstoffkandidaten bekannt, an dem seit Januar 2020 gearbeitet wird. Spätestens im September dieses Jahres soll mit klinischen Studien am Menschen begonnen werden. Das Unternehmen plant, seine Produktionskapazität auszuweiten, um weltweit mehr als eine Milliarde Impfstoffdosen bereitstellen zu können. Die ersten Chargen könnten dann Anfang 2021 für die Zulassung zur Notfallverwendung verfügbar sein.

Auch Sanofi kündigt klinische Studien für zwei Coronavirus-Impfstoffe an, die Ende des Jahres beginnen sollen. In Kooperation mit GlaxoSmithKline soll ein Protein-Antigen mit einem bereits zugelassenen Hilfsstoff kombiniert werden, um mehr Antikörper und eine länger anhaltende Immunität zu erreichen. Einen weiteren Impfstoff entwickelt Sanofi gemeinsam mit Translate Bio mithilfe der Boten-RNA-Technologie. Hierbei werden Zellen im Körper angewiesen, spezielle Coronavirus-Proteine herzustellen, die eine Immunantwort erzeugen.

Das Paul-Ehrlich-Institut hat nun auch die erste klinische Prüfung eines Impfstoffs gegen Covid-19 in Deutschland genehmigt. Weltweit ist dies erst die fünfte genehmigte Prüfung von präventiven, spezifischen Covid-19-Impfstoffkandidaten am Menschen.

Eine Übersicht über alle Studien in Deutschland finden Sie hier.

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Umwidmung von Arzneimitteln

Neben der Entwicklung von Impfstoffen zur Vermeidung von Ansteckungen läuft auch die Suche nach Medikamenten zur Behandlung von Covid-19-Patienten auf Hochtouren.

Um Klarheit über die Eignung der Medikamente zu erlangen, sind klinische Studien mit Freiwilligen dringend erforderlich. Ein Arzneimittel, das frisch Infizierten hilft, ist bei Patienten auf der Intensivstation möglicherweise nicht mehr wirksam oder sogar nachteilig.

Für die laufenden Studien stellen Pharmaunternehmen große Mengen ihrer Medikamente zur Verfügung: Sandoz hat zugesagt, 130 Millionen Dosen Hydroxychloroquin für klinische Studien und Einrichtungen bereitzustellen. Auch Sanofi liefert Hydroxychloroquin für Studien und Merck liefert Interferon beta-1a für den DISCOVERY trial und den SOLIDARITY trial.

Zudem kooperiert Bayer mit dem Population Health Research Institute (PHRI) bei der klinischen Erforschung von Medikamenten gegen Covid-19. In einer ambulanten Studie wird untersucht, ob durch die Kombination von Chloroquin mit Azithromycin ein Klinikaufenthalt aufgrund einer Krankheitsverschlechterung verhindert werden kann. Eine andere Studie prüft, ob sich durch die Kombination von Chloroquin mit Azithromycin und Interferon Beta-1b eine Verlegung auf die Intensivstation und notwendige Beatmungsmaßnahmen verhindern lassen.

Eine Übersicht der laufenden Projekte gibt es beim Milken Institute.

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Neue Medikamente gegen Covid-19

Die meisten Projekte zur Neuentwicklung von Medikamenten gegen Covid-19 befassen sich mit der Passivimmunisierung mittels Antikörpern. Man hofft, dass die Blutflüssigkeit ehemaliger Covid-19-Patienten Antikörper enthält, die SARS-CoV-2 im Köper vermehrungsunfähig machen.

Andere Projekte befassen sich mit antiviralen Medikamenten und der Neuentwicklung geeigneter Wirkstoffe.

Die Zulassungsbehörden werden die Genehmigungsverfahren für klinische Studien und Zulassungsverfahren für erfolgreich getestete Medikamente priorisieren.

Auch die Erfahrung und die Ressourcen traditionsreicher Pharmaunternehmen können die Zulassung erheblich beschleunigen. Pfizer hat angeboten, seine Erfahrung sowie seine Produktionskapazität in Kooperationen mit kleineren Unternehmen einzubringen, die Corona-Medikamente entwickeln. Außerdem werden Labormethoden, die das Unternehmen für seine eigene Corona-Forschung entwickelt hat, auf „open source“-Basis allen zur Verfügung gestellt.

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Diagnostik

Neuer Antikörper-Bluttest in Deutschland verfügbar

Abbott hat einen laborbasierten serologischen Bluttest entwickelt, mit welchem festgestellt werden kann, ob eine Person mit Covid-19 infiziert war. Der Test hat inzwischen die CE-Kennzeichnung erhalten und ist ab sofort in Deutschland verfügbar.

Antikörpertests werden außerdem zu einem besseren Verständnis des Virus führen: Wie lange verbleiben Antikörper im Körper? Machen sie den Träger immun? Dieses Wissen könnte anschließend dazu beitragen, Impfstoffe und Behandlungsstrategien zu entwickeln.

Neuer CRISPR-basierter Covid-19-Test 

Ein neuer kostengünstiger Atemtupfertest diagnostiziert Covid-19-Infektionen in nur 45 Minuten – andere Tests benötigen in der Regel eine Testzeit von 4 Stunden oder mehr und sind nur in einem gut ausgestatteten Labor durchführbar.

Der neue Test, SARS-CoV2-DETECTR-Assay genannt, verwendet das bereits bekannte System CRISPR-Cas12, um die genetischen Signaturen des Covid-19-Virus zu erkennen. Sobald die Gene gefunden werden, verändert sich die Farbe eines Messstabs, ähnlich wie bei einem Schwangerschaftstest. So kann auch schnell zwischen Covid-19 und Influenza unterschieden werden.

Der Test soll in nur einem Monat für die Verwendung in klinischen Laboren und innerhalb von 3 bis 4 Monaten für die Verwendung in Point-of-Care-Umgebungen verfügbar sein.

Tests für zuhause 

Inzwischen wurden auch verschiedene Tests für den Hausgebrauch entwickelt.

Das französische Gesundheitsunternehmen Sanofi hat gemeinsam mit dem kalifornischen Start-up Luminostics einen Heimtest für Covid-19 erstellt, bei dem eine Smartphone-Kamera und eine App zur Diagnose verwendet werden. Es soll noch vor Ende 2020 eine OTC-Selbsttestlösung verfügbar sein, sofern die erforderlichen behördlichen Genehmigungen vorliegen.

In Lausanne entwickelten Wissenschaftler die Coughvid App, mit der Covid-19 über den Lautsprecher eines Smartphones diagnostiziert werden soll. Derzeit werden eine große Anzahl an Probeaufzeichnungen von Covid-19-Patienten gesammelt.

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Therapie

Schonendere Beatmung 

An der Technischen Universität München (TUM) wurde ein digitales Modell der Lunge entwickelt, das dem Behandelnden zeigt, welche Einstellungen des Beatmungsgeräts zu welchen Belastungen auf der Mikroebene der Lunge führen. Hierfür werden mithilfe von Künstlicher Intelligenz die Daten eines Computer-Tomogramms des Brustkorbs und der Analyse eines Atemzuges ausgewertet – und so ein digitaler Zwilling der Patientenlunge erzeugt.

Patientenüberwachung mittels Remote-Technologie 

GE Healthcare hat in Zusammenarbeit mit der Microsoft Azure-Cloud-Plattform eine neue Softwarelösung eingeführt, die Kliniker und Gesundheitssysteme bei der Behandlung von Covid-19-Patienten unterstützt.

Die Mural Virtual Care-Lösung ermöglicht die Überwachung von Intensivpatienten, einschließlich mechanisch beatmeter Patienten, an einem zentralen Ort und bietet einen umfassenden Überblick über die Daten jedes Patienten im gesamten Krankenhausnetzwerk. So können Krankenhäuser ihre beatmeten Patienten besser überwachen und Verschlechterung schneller feststellen.

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Jutta de Monte
Jutta de Monte
ist Redakteurin bei coliquio Insights und berichtet über aktuelle Arztdiskussionen auf coliquio sowie über Healthcare Start-ups.