Healthcare-Start-ups stehen hoch im Kurs. Fast alle großen Pharmaunternehmen fördern heute Start-ups, um von deren neuen Lösungsansätzen zu profitieren. Das erklärte Ziel: wissenschaftliche Durchbrüche beschleunigen und Wettbewerbsvorteile sichern. Wir stellen Ihnen vier Start-ups vor, die Pharma teilweise schon für sich entdeckt hat.

4 Health-Start-ups, die überzeugen

23andMe – DNA-Analyse gibt Aufschluss

Die Idee:

23andMe ermöglicht Menschen, ihre DNA entschlüsseln zu lassen, um so Aufschluss über die eigene Abstammung und über Gesundheitsrisiken zu bekommen. Die Einblicke aus der Erbgutanalyse ermöglichen eine Risikoeinschätzung, an welchen genetisch bedingten Krankheiten ein Mensch später einmal erkranken könnte.

Wer davon profitiert:

In erster Linie profitiert der einzelne Kunde. Er kann durch die Analyse Verwandte wiederfinden und eventuellen Gesundheitsrisiken vorbeugen. Kritiker merken allerdings an, dass es nicht ideal ist, dass der Kunde mit dem Ergebnis allein gelassen wird – ohne dass ein Mediziner die Erkenntnisse für ihn einordnet.

Darüber hinaus hat 23andMe das Potential, zu medizinischen Durchbrüchen beizutragen: mittlerweile umfasst die Datenbank 5 Millionen DNA-Proben.

Was uns überzeugt:

Das Unternehmen hat inzwischen eine eigene Forschungsabteilung. Das Pharmaunternehmen GSK hat im August 300 Millionen US-Dollar in das Start-up 23andMe investiert.

biotx.ai – Schnellere Medikamenten-Entwicklung

Die Idee:

Die Wirkstoffentwicklung ist aufwändig, teuer und risikoreich. 90 % der klinischen Studien scheitern an der richtigen Auswahl der teilnehmenden Patienten oder daran, dass sich das Medikamentenziel als nicht zentral für den Krankheitsmechanismus herausstellt, nachdem bereits Milliarden US-Dollar investiert wurden. biotx.ai geht dieses Problem an: Das Start-up hat maschinelle Lerntechniken entwickelt, die multikausale Zusammenhänge und komplexe Muster in biomedizinischen Daten erkennen können.

Wer davon profitiert:

Der Patient profitiert durch eine bessere Vorhersage des Krankheitsverlaufs. Erfährt der Patient beispielsweise, dass er an Alzheimer erkranken wird, kann er Vorkehrungen treffen. Pharma und Healthcare profitieren davon, dass Patienten für klinische Studien besser auswählbar sind. So können Studien in Phase 2 und 3 deutlich verschlankt werden.

Was uns überzeugt:

„Machine Learning“ und Gendiagnostik sorgen heute für einen wesentlich höheren Behandlungserfolg. Sie ermöglichen präzisere Vorhersagen von Krankheitsverläufen und deutlich schnellere Medikamenten-Entwicklungsprozesse. Das Start-up ist Teil des Merck Accelerator Programms.

Kinderheldin – Eine Antwort auf den Hebammenmangel

Die Idee:

In Zeiten steigender Geburtenraten, Hebammenmangel und teuren Versicherungsprämien für Hebammen soll der Onlineberatungsservice Kinderheldin für werdende Mütter und Eltern eine echte Hilfe sein. An sieben Tagen in der Woche beantworten ausgebildete Hebammen per E-Mail, Live-Chat oder persönlichem Telefonat alle Fragen rund um Schwangerschaft, Geburt und Säuglinge. Eine Sitzung dauert 20 Minuten, bei Bedarf auch länger.

Wer davon profitiert:

Werdende Eltern und junge Familien können auf eine unkomplizierte und schnelle Versorgung bauen. Kinderheldin bietet eine medizinisch fundierte Beratung für alle akuten sowie allgemeinen Fragen rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Kind. Das Ganze funktioniert ortsunabhängig und dennoch persönlich und ist somit ein guter Lösungsansatz für eine aktuelle, gesellschaftliche Herausforderung.

Was uns überzeugt:

Kinderheldin zeigt, dass Technologie dazu beitragen kann, Antworten auf aktuelle Herausforderungen zu finden. Ob in der Stadt oder auf dem Land – es wird immer schwieriger, Hebammen zu finden. Kinderheldin bietet eine digitale Alternative und ist so ein spannendes Anwendungsbeispiel der Teleberatung. Der Service ist bereits verfügbar, zudem wird momentan daran gearbeitet die Abrechnung mit Krankenkassen zu ermöglichen.

Doctorly – Digitalisierung von Praxisabläufen

Die Idee:

Doctorly ermöglicht mit dem Einsatz smarter Technologien eine verbesserte Praxisorganisation. Die Software wurde von Ärzten für Ärzte entwickelt. Im ersten Schritt soll die Software das Arbeitsumfeld von Praxen zukunftsfähig machen – und zwar durch die Integration von zeitaufwändigen Arbeitsabläufen in einem einzigen Programm. Dadurch reduziert sich der Zeit- und Koordinationsaufwand wesentlich. Administrative Aufgaben, von der Terminvereinbarung über die Abrechnung bis zur elektronischen Krankenakte, können digital erledigt und Krankheitsverläufe anschaulich visualisiert werden. Die Daten werden in einer Cloud gesichert.

Wer davon profitiert:

Durch den Einsatz von Doctorly können Ärzte und ihr Team eine verbesserte Patientenversorgung gewährleisten, weil zeitaufwändige Arbeitsabläufe wegfallen. So profitieren beide Seiten: Patienten und das Praxisteam.

Was uns überzeugt:

Die Digitalisierung von Praxisabläufen ist für viele Ärzte noch eine Herausforderung – und Doctorly könnte eine Antwort sein. Insbesondere mit der elektronischen Patientenakte geht Doctorly den entscheidenden Schritt in Richtung Zukunft.

Start-ups und Pharma können gemeinsam schneller wachsen

Es ist der frische Blick von außen, der es Start-ups ermöglicht, innovative Lösungen zu entwickeln. Und das ist genau das, was die Pharmabranche im Wandel dringend braucht. Aber auch die Start-ups sind auf Pharma-Expertise angewiesen – denn ihnen fehlt die nötige Erfahrung, um ihre Idee in dem stark reglementierten Gesundheitsmarkt umzusetzen.

Über Synergieeffekte zwischen den alten und neuen Playern haben wir kürzlich auch mit Bart de Witte, IBM Deutschland GmbH / Director Digital Health DACH, gesprochen. Lesen Sie hier das Interview:

Jutta de Monte
Jutta de Monte
ist Redakteurin bei coliquio Insights und berichtet über aktuelle Arztdiskussionen auf coliquio.

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Luise Recktenwald

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