Vier Jahre Forschung und über 16.000 Interviews haben die entscheidenden Aspekte einer erfolgreichen digitalen Transformation in Unternehmen untersucht. Das Buch „Technology Fallacy“ basiert auf Erkenntnissen aus dieser Verbundstudie von MIT Sloan Management Review (SMR) und Deloitte Digital. Wir fassen den Inhalt für Sie zusammen – lesen Sie hier Teil 1 der Serie:

Im ersten Teil unserer Serie geht es um folgende Themen:

  • Warum ist der Mensch Hauptakteur in der digitalen Transformation?
  • Warum gibt es eine Diskrepanz zwischen Bewusstsein für die digitale Transformation und Handeln?
  • Was können Unternehmen konkret tun, um digitale Reife zu erlangen?

Der Mensch als treibende Kraft

Hängt in der Digitalisierung alles von der Technologie ab? Nicht immer!

Nach 4 Jahren Forschung und über 16.000 Interviews kommen die Autoren des Buches „Technology Fallacy“ zu diesem Fazit: Der Mensch spielt die Hauptrolle in der Digitalen Transformation, nicht die Technologie selbst!

Die Technologie ist zwar Voraussetzung für die Digitalisierung, aber letztendlich ist der Mensch die treibende Kraft. Er muss den potenziellen Wert der digitalen Technologie für das Unternehmen erkennen und die organisatorischen Herausforderungen bewältigen, damit Technologie optimal zum Unternehmenserfolg beitragen kann.

Wie bereit sind Unternehmen für Digitale Disruption?

Keine Branche ist vor der digitalen Disruption sicher – das ist bekannt. 87 % der von den Autoren Befragten glauben, dass die Technologie ihre Branche in hohem oder moderatem Maß verändern wird. Aber nur 44 % geben an, dass das eigene Unternehmen genug für die Digitalisierung unternimmt.

Doch woher kommt diese Diskrepanz zwischen Bewusstsein und Handeln? Ein wesentlicher Faktor ist die Annahme, dass die bisherigen Erfolgsfaktoren auch zukünftig zu Erfolg führen werden. Allerdings ändert sich die Wettbewerbssituation durch neue technologische Möglichkeiten. Es entstehen neue Wege und neue Servicemöglichkeiten, um Kunden einen Mehrwert zu bieten. Hinzu kommt, dass sich viele Führungskräfte nicht bewusst sind, wie schnell die Disruption voranschreitet und so ihre Chance verpassen.

Und wie kann diese Diskrepanz vermieden werden? Nur wer das WARUM versteht, kann sich detailliert auf das WIE fokussieren. Sowohl der Manager als auch der Mitarbeiter muss das große Ganze und die dahinterstehenden Denkweisen verstehen, bevor er sich mit detaillierten Praktiken auseinandersetzen kann.

Warum Digitale Reife den Prozess besser beschreibt

Schlagworte wie „Digital Disruption“ und „Digitale Transformation“ haben ihre Brisanz verloren, obwohl sie in aller Munde sind. Deshalb definierten die Autoren den Begriff der „Digitalen Reife“: ein allmählicher und kontinuierlicher Prozess, der nie abgeschlossen ist. Auch scheinbar kleine Veränderungen sind dabei nicht zu unterschätzen.

Um weiterhin im Wettbewerb bestehen zu können, müssen Mitarbeiter, Kultur, Struktur sowie die Aufgaben eines Unternehmens neu ausgerichtet werden. Die digitale Reife besteht darin, die Chancen der technologischen Infrastruktur innerhalb und außerhalb des Unternehmens zu nutzen.

2 Strategien, die digitale Reife fördern

1. Reverse Engineering the Future

Treffen Sie die Entscheidung für Ihre nächsten strategischen Schritte nicht anhand der heutigen technologischen Möglichkeiten. Dies wird Sie in die falsche Richtung lenken. Stellen Sie sich vor, wie die zukünftige technologische Infrastruktur aussehen wird und leiten Sie die nächsten Schritte daraus ab.

Ein gutes Beispiel für diese langfristige Planung ist der Markt für selbstfahrende Fahrzeuge. Diese Technik wird ganz unterschiedliche Branchen beeinflussen – nicht nur die Automobilindustrie, sondern beispielsweise auch Versicherungen, Immobilienwirtschaft und Gesundheitsversorgung. Wann und wie das geschehen wird, ist noch ungewiss, aber man kann mit Sicherheit sagen, dass dies in den nächsten 10 bis 20 Jahren die Realität sein wird. Das Wettbewerbsumfeld eines Unternehmens kann sich dadurch grundlegend verändern.

Um einen langfristigen Blick zu entwickeln, sollten Unternehmen deshalb regelmäßig über die Zukunft nachdenken. Wie wird die Marktsituation ihres Unternehmens in 10 oder 20 Jahren aussehen? Welche Technologien werden eine zentrale Rolle spielen? Sicherlich werden sie hier nicht immer richtig liegen, aber sie werden die Zusammenhänge zwischen der jetzigen und der zukünftigen Welt besser verstehen und können Maßnahmen identifizieren, die sie jetzt schon umsetzen können.

2. Duct Tape Approach to Digital Strategy

Digitale Reife können Sie auch erlangen, wenn Sie verstehen, dass Technologie nicht nur einen vorherbestimmten Zweck hat. Wichtig ist, dass Sie die möglichen Vorteile neuer Technologien für die Anpassung an den digitalen Wandel erkennen. Schauen Sie über den Tellerrand hinaus.

Klebeband beispielsweise fand zuerst nur militärische Anwendung. Später kamen Einsatzgebiete im Bauwesen, im Fahrzeugbau, in der Bekleidungsindustrie und sogar in der medizinischen Anwendung hinzu. Es gibt also nicht nur eine richtige Verwendung von Klebeband. Und genau das gilt es zu erkennen.

Im Bereich Social Media sind die Airlines ein gutes Beispiel für diese Strategie. Diese nutzen Twitter – anders als beispielsweise Content Publisher – nicht als Distributionsplattform, sondern als effektives Tool im Kundensupport

In Teil 2 dieser Serie erfahren Sie, wie sich Führungskräfte auf die Digitalisierung einstellen.

Newsletter

Nie wieder Neuigkeiten verpassen

Auf coliquio Insights bekommen Sie regelmäßig die wichtigsten Neuigkeiten rund um die Themen Zukunft der Medizin, Pharma-Marketing und die Digitalisierung des Gesundheitswesens. Abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter und verpassen Sie keinen Blogpost mehr!

Bildquelle: Unsplash / Adi Goldstein

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren

Hinterlassen Sie einen Kommentar
E-Mail-Adressen werden nicht veröffentlicht.

Ich möchte Benachrichtigungen erhalten bei weiteren Kommentaren.

Jutta de Monte
Jutta de Monte
ist Redakteurin bei coliquio Insights und berichtet über aktuelle Arztdiskussionen auf coliquio.