Ärzte und Krankenkassen gehen mit gesponserten Wearables, Telemedizin und Apps als Medizinprodukten die ersten Schritte, um die digitalen Möglichkeiten zu nutzen. Patienten sagen trotzdem: Es gibt noch viel zu tun. Das Unternehmen Salesforce hat Patienten in einer Studie gefragt, wie digital der Dialog mit ihrem Arzt bereits ist und warum sie sich eher für einen Arzt mit digitaler Kompetenz entscheiden würden. Zwei Bereiche stechen dabei besonders heraus.

1. Neue Datenerfassung für bessere medizinische Ergebnisse

In den USA besitzt etwa jeder dritte ein Wearable, um seine sportlichen und gesundheitlichen Daten zu tracken.

Wearables sind kleine tragbare Geräte, mit denen Gesundheitsdaten wie die Herzfrequenz und Bewegungsdaten gemessen werden können. Auch Smartwatches, wie z.B. die Apple Watch zählen zu diesen Geräten. Das Besondere: sie funktionieren nur im Zusammenhang mit einem Smartphone, das die Daten analysiert und auswertet.

Bei den Millennials, also allen, die zwischen 1980 und 1999 geboren sind, sind es sogar schon 40 %, die solche Tracking-Geräte nutzen. Wer ein Wearable besitzt, trägt es auch regelmäßig –  das sagen 90 % der Besitzer. Mehr als die Hälfte gibt sogar an, ihr Wearable täglich zu tragen.

Erstaunlich: vier Fünftel aller Befragten wollen auch, dass ihr Arzt Zugang zu diesen Daten hat. 44 % gehen davon aus, dass sich ihr Arzt so ein besseres Bild von ihrer Gesundheit machen kann und immerhin 40 % erhoffen sich auch, dass der Arzt mit diesen Daten Krankheiten im Anfangsstudium erkennt und frühzeitig behandeln kann.

Nur etwa eine von fünf Personen sieht es kritisch, ihrem Arzt Zugang zu den Daten aus Wearables zu geben.

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Quelle: Salesforce

Den Fitnesstracker gibt es umsonst, als Gegenleistung gehen alle Daten an die Krankenkasse? Dieser Deal ist für viele kein Problem. Etwa die Hälfte der US-Amerikaner kann es sich vorstellen, so ein Angebot in Anspruch zu nehmen. Und knapp 70 % würden ein solches Angebot in Anspruch nehmen, wenn Sie als Gegenleistung bessere Versicherungsprämien erhalten.

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Quelle: Salesforce

2. Virtuelle Kommunikation mit dem Arzt

Neue Möglichkeiten der Kommunikation zwischen Patienten und Ärzten sind auch in Deutschland auf dem Vormarsch. Erste Schritte im Bereich Telemedizin hat Baden-Württemberg gemacht und auch die anderen Bundesländer ziehen nach. Ab Juli 2017 soll es eine eigene EBM-Ziffer für die Video-Sprechstunde geben und damit von Ärzten abgerechnet werden können. In den USA sind Alternativen zum persönlichen Gespräch bereits verbreiteter. 60 % der Ärzte bieten mindestens eine Art „virtueller Pflege“ an.
28 % der Patienten kommunizieren mit Ihrem Arzt bereits per E-Mail und jeder fünfte Millennial nutzt eine App, um Arzttermine zu vereinbaren und medizinische Informationen auszutauschen. Gleichzeitig steckt innovative Kommunikation auch in den USA noch in den Kinderschuhen. Weniger als 7 % der Patienten kommunizieren mit ihrem Arzt per Textnachrichten, Messaging-Diensten und nur 8 % der Millennials hatten schon einmal eine Videokonferenz mit ihrem Arzt.

Das Interesse jedoch ist groß: 62 % aller Patienten sind sehr offen für die neuen Möglichkeiten der virtuellen Pflege und 60 % würden einen Arzt, der eine Patienten-App anbietet, dem Arzt vorziehen, der das nicht tut. Bei den Millennials liegt diese Zahl sogar noch einmal um 10 % höher. Auch bei anderen Formen virtueller Pflege wünschen sich Patienten mehr digitale Kompetenz: 46 % würden einen Arzt bevorzugen, der Videokonferenzen anbietet, und 38 % gehen lieber zu einem Arzt, der auch die Daten aus ihren Fitnesstrackern auswerten kann. Diesen Schritt würde sogar jeder zweite Millennial gehen.

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Quelle: Salesforce

Fragt man Patienten nach den Gründen ergibt sich ein deutliches Bild: zwei Drittel geben an, dass es für sie schlicht einfacher ist und jeder Zweite begrüßt es, so Arztbesuche besser in den Alltag integrieren zu können. Ein Drittel der Patienten ist überzeugt, so auch der Ansteckungsgefahr in Praxen und Kliniken aus dem Weg zu gehen. 27 % begrüßen die gesteigerte Privatsphäre, nicht in die Praxis kommen zu müssen.

Patienten sind bereit für die Digitalisierung

Durch Technologie sind heute sehr viele Lebensbereiche unglaublich miteinander vernetzt – digitale Tools erleichtern unser Leben und helfen uns besser zu organisieren. Patienten wünschen sich diese Vernetzung auch im Umgang mit ihren Ärzten, das zeigt die Studie deutlich. Sie versprechen sich davon bessere Ergebnisse für Ihre Gesundheit und hoffen, Arztbesuche so besser in ihren Alltag integrieren zu können. In Zukunft kann die digitale Kompetenz eines Arztes zum wichtigen Kriterium werden, wenn sich Patienten für einen Arzt entscheiden.

Und was erwarten Ärzte?

Auch für Ärzte wird das Thema eHealth immer entscheidender. Welche Erwartungen sie an eHealth haben und wie es die Arbeit von Ärzten besser und effizienter machen soll, erfahren Sie hier:

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Lysander Fuchs
Lysander Fuchs
ist Redakteur bei coliquio Insights und berichtet über aktuelle Marketing-Themen und ihre Relevanz für den Gesundheitsmarkt.