Künstliche Intelligenz schleicht sich langsam in unseren Alltag ein, von der Spracherkennung auf dem Smartphone bis zur Online-Bestellung von Fast Food.

Ein Beispiel: Vielleicht nutzen Sie gelegentlich den Google Translator. Dieses Web-Tool besitzt künstliche Intelligenz und ist ein selbstlernendes Programm. Während der Google Translator früher noch Wort für Wort übersetzte, versucht er heute die Struktur und den Aufbau der Sprache zu knacken: Sätze der Ursprungssprache werden komplett auf ihre Inhalte hin analysiert und dann sinngemäß übersetzt.

Warum sich die Beschäftigung mit künstlicher Intelligenz lohnt

Schon seit längerem wird künstliche Intelligenz als Mega-Trend gehypt. Auch die Marktforscher von Gartner haben künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen zur relevantesten Technologie 2017 erklärt.

Durch künstliche Intelligenz werden immer mehr Apps, Geräte und Maschinen smart und formen zusammen das Internet der Dinge – oder wie Gartner es ausdrückt, ein intelligentes, digitales Netz. Darin können Maschinen und Programme lernen, Zusammenhänge zu verstehen und sich immer besser an wechselnde Anforderungen anzupassen.

Was ist künstliche Intelligenz?

Künstliche Intelligenz bedeutet vereinfacht gesagt, dass eine Maschine etwas tut, wozu ein Mensch Intelligenz bräuchte. Künstliche Intelligenz ist ein Teilgebiet der Informatik, das sich mit der Automatisierung intelligenten Verhaltens befasst. Das Ziel ist es, menschliche Wahrnehmung und menschliches Handeln durch Maschinen nachzubilden. Es geht nicht darum, Menschen mit all ihren Fähigkeiten zu kopieren, sondern durch Informatik bestimmte Teilbereiche ihrer Arbeit zu erleichtern und dadurch bessere Ergebnisse zu ermöglichen. Künstliche Intelligenz ist eine Software, die sich selbst fortschreibt und lernfähig ist. Der erste große Durchbruch, bei dem künstliche Intelligenz zum Einsatz kam, waren Online-Übersetzungsprogramme wie der Google Translator: Durch bereits online gestellte Texte können die Programme Rückschlüsse ziehen und so die Übersetzung anfertigen.

Künstliche Intelligenz steckt noch in den Kinderschuhen, doch das Potenzial ist enorm und die Entwicklung nimmt Fahrt auf – auch in den Bereichen Pharma und Marketing. Einen Überblick über bisherige Entwicklungen und das Potenzial für die Medizin haben wir hier zusammenfasst.

In diesem Beitrag schauen wir uns die Entwicklungen von künstlicher Intelligenz im Marketing an.

Wie kann künstliche Intelligenz das Marketing verändern?

Das Marketing könnte in vielen Bereichen noch intelligenter gesteuert werden. Klassische Marketingaufgaben wie die Datenanalyse, die Identifikation der Zielgruppen, die Kommunikationssteuerung und -überwachung, kundenspezifische Preisbestimmung und Produktempfehlungen können mithilfe von künstlicher Intelligenz schneller und einfacher umgesetzt werden.

Dabei ist die größte Hürde, dass noch nicht alle Datenquellen erschlossen und zusammengeführt sind. Fähige, intelligente Steuerungsmechanismen müssen noch (weiter-)entwickelt werden. Zwar gibt es bereits die ersten Tools auf dem Markt, noch sind aber nicht alle Entwicklungen ausgereift.  Jedoch gewinnen Marketer durch die Automatisierung des Marketings neue, signifikante Effizienzhebel. Das Potenzial ist da!

Jeder zweite Marketer nutzt sie bereits

Salesforce hat in der Studie „State of Marketing Report 2017“ die aktuellen Entwicklungen zu künstlicher Intelligenz untersucht. Dazu wurden rund 3.500 Marketing-Entscheider weltweit befragt. Jeder zweite gab dabei an, Technologien zu nutzen, die durch künstliche Intelligenz gesteuert werden. Ein weiteres Viertel plant die Implementierung innerhalb der nächsten zwei Jahre.

Die Befragten versprechen sich dadurch eine Effizienzsteigerung in ihren Prozessen, besonders in Bezug auf Kundenorientierung. Durch intelligente Tools können Marketer mehr aus ihren Daten herausholen und so ihr Marketing personalisieren. Ziel ist die „Hyperpersonalisierung“ von Inhalten und dynamischen Landingpages, was bei der Lead-Generierung und der Pflege von Kundenbeziehungen vielversprechend ist.

Unterstützung bei der Personalisierung, Analyse und Optimierung

Dass das Marketing deutlich technologie- und datengetriebener wird, überrascht niemanden mehr. Nur so gelingt es, Kampagnen wesentlich passgenauer auf die Bedürfnisse der Zielgruppe abzustimmen.

Immer mehr Marketer wollen eigene Digital-Daten mittels Data-Management-Plattformen sammeln und analysieren. Deshalb interessieren sie sich auch für die benötigten Web-Analyse-Tools, für die Datenvisualisierung in Form von Dashboards und für Möglichkeiten der Personalisierung von werblicher Ansprache.

Auch die Erfolgsmessung ist Bestandteil der Automatisierung. Mittels Technologie lässt sich viel schneller und zuverlässiger feststellen, welche Kommunikationsmaßnahmen funktionieren und welchen Leistungsbeitrag sie liefern. Korrigierende Stellschrauben können bei Bedarf schneller gedreht werden. Die Effizienz steigt. Die neuen Systeme sind besser, aber auch komplexer. Künstliche Intelligenz kann dabei helfen, die Komplexität aufzulösen.

So kommt künstliche Intelligenz im Marketing zum Einsatz

1) Informationen finden

Aus den verfügbaren Daten versteckte Informationen herauszuziehen, ist für das Marketing-Team unter Umständen herausfordernd. Daten über das Nutzerverhalten sind vielfältig und umfassend.
Künstliche Intelligenz kann dabei helfen, die Daten der Customer-Journey zu entschlüsseln, Aufschluss über die Effektivität von Marketingkanälen zu geben und diese zu optimieren. So können maßgeschneiderte Lösungen für Kunden entwickelt werden.

2) Prozesse beschleunigen

Künstliche Intelligenz ist wesentlich schneller als der Mensch. Das Verschlagworten von Inhalten oder das Durchsuchen von Content kann damit in Sekundenbruchteilen gelingen. Zusammenhänge können entsprechend schneller entschlüsselt werden.
Durch künstliche Intelligenz können Zusammenhänge, die weniger offensichtlich sind, in rasanter Geschwindigkeit erkannt werden.

3) Entscheidungen treffen

Das Treffen von komplexen Entscheidungen ist für uns Menschen häufig zeitintensiv, weil wir immer auch emotionale Komponenten berücksichtigen. Künstliche Intelligenz kann auf Grundlage der Marketingziele klare datenbasierte Entscheidungen empfehlen oder treffen und dabei beispielsweise auch die langfristige Zusammensetzung der Marketingbudgets im ‚Auge‘ behalten.

Wichtige Plattformen: Watson, Siri & Co

Die ausgereifteste Plattform für künstliche Intelligenz und Analytics ist derzeit IMBs ‚Watson‘. Der Supercomputer kombiniert Technologien, die über künstliche Intelligenz verfügen mit anspruchsvoller analytischer Software. Das System wird unter anderem als „Frage-Antwort-Maschine“ eingesetzt. Watson kann lesen, schreiben, rechnen und sprechen; Texte analysieren, Zusammenfassungen von Debatten erstellen oder Milliarden von Daten strukturieren.

Beispielsweise hilft Watson dabei, das Kundenverhalten zu verstehen und vorherzusagen. Er empfiehlt Zielgruppen oder stimmt Inhalte und Websites auf die Bedürfnisse vorgegebener Zielgruppen ab. Läuft etwas schief, kann Watson datenbasiert eingreifen. Durch Watson werden all diese Prozesse aus einer Hand geliefert, was maximale Lernerfolge fördert. Trotzdem wird auch immer wieder von Problemen mit Watson berichtet, die Entwicklung ist mit Sicherheit noch lange nicht abgeschlossen.

Ähnlich hilfreich kann ‚Einstein‘ von Salesforce sein. Die intelligente Lösung ist an die Salesforce-Plattform angedockt und kann so automatisch auf die Salesforce-Daten zugreifen. So können Marketer mit ‚Einstein-Journey-Insights‘ das optimale Zusammenspiel und die Abfolge von Marketingmaßnahmen ermitteln. Auch Kundengruppen können aufgrund ähnlicher Eigenschaften identifiziert werden und Content passgenau – auch in Abhängigkeit der Stimmung – gestreut werden.

Auch Sprachassistenzen wie Siri von Apple und Alexa von Amazon setzen sich immer mehr durch. Sie verändern das Konsumverhalten der Kunden und somit auch Werbestrategien. Hinter den Kulissen werden sich gleichzeitig die Marketing-Prozesse verändern.

 

Es ist spannend zu sehen, welches Potenzial mit künstlicher Intelligenz einhergeht – auch für das Marketing. Dabei ist unumstritten, dass Technologien das Marketing weiter verändern werden. Offen ist aber noch das ‚wie‘.

 

Wie schätzen Sie künstliche Intelligenz ein? Sehen Sie Potenzial für Ihr Unternehmen?

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Amira Sabeur
Amira Sabeur

ist Redakteurin bei coliquio Insights und berichtet über aktuelle Marketing-Themen und ihre Relevanz für den Gesundheitsmarkt.

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Luise Recktenwald

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